Geräteklassen bei Filmscannern

Wer Dias und Negative digitalisieren möchte, muss sich zwischen verschiedenen Geräteklassen bei Scannern entscheiden. Die Geräteklassen bestimmen maßgeblich für welchen Einsatzzweck ein bestimmtes Gerät optimiert ist; dadurch lassen sich auch Rückschlüsse auf die Leistungsfähigkeit eines Scanners ziehen. Dias und Negative sind extrem anspruchsvolle Scanvorlagen, die Mehrzahl der am Markt verfügbaren Scanner kann die analogen Bildinformationen nur unter sichtbaren Verlusten einlesen. Wir zeigen worauf man beim Scannerkauf achten sollte.

Einfache CMOS-Scanner

CMOS-Scanner sind eine recht neue Spezies auf dem Markt, es gibt sie erst seit 2007 in größerer Stückzahl. Im Grunde handelt es sich um Boxen mit eingebauter Kamera, mit denen man Dias, Negative und Auflichtvorlagen abfotografieren kann. Es gibt zwar nur wenige Hersteller für CMOS-Scanner, sie sind aber unter unzähligen Markennamen im Handel erhältlich.

Reflecta X6 Touch Scan

Diese Geräte als Scanner zu bezeichnen ist zwar üblich, aus technischer Sicht aber unzutreffend. Sie fotografieren die Vorlagen in einem Rutsch, Scanner tasten die Vorlage jedoch zeilenweise ab. Da diese Gerätekategorie - nomen est omen - auf CMOS-Flächensensoren setzt, ist die eigentliche Bilderfassung nur eine Sache von Sekundenbruchteilen. Das geht ebenso schnell wie man ein Foto schießt. Die weitere Bearbeitung durch die Elektronik braucht aber auch ihre Zeit, das liegt an den eher preisgünstigen Komponenten, die in dieser Geräteklasse verbaut werden. Unterm Strich braucht man daher mit einem CMOS-Scanner derzeit ähnlich lange für das Digitalisieren wie mit einem guten Zeilenscanner.

Im Laufe der Zeit haben CMOS-Scanner Features übernommen, die vormals nur bei Scannern verbreitet waren. Dazu zählt die automatische Staub- und Kratzerentfernung per Infrarotkanal, die es inzwischen auch bei CMOS-Scannern gibt. Bis heute bedienen CMOS-Scanner aber vor allem den Low-Budget Bereich. Somit kann man nicht einschätzen, wo das Potenzial dieser Technik wirklich liegt. Trotz qualitativer Einschränkungen sind die derzeit am Markt verfügbaren CMOS-Scanner recht beliebt, weil sie billig, kompakt und leicht zu bedienen sind. Beim Digitalisieren wenig anspruchsvoller Vorlagen wie beispielsweise von Papierdokumenten können CMOS-Scanner - eine leistungsfähige Elektronik vorausgesetzt - ihren Zeitvorteil gegenüber Zeilenscannern ausspielen. Bei anspruchsvollen Vorlagen wie Dias fährt man mit klassischen Scannern derzeit sichtbar besser.

CMOS-Scanner

Die Abbildung zeigt das Funktionsprinzip eines Scanners auf CMOS-Basis: Ein Dia, das in den Scanner eingelegt wurde, wird von links her mit einer Lichtquelle durchleuchtet. Es handelts ich um eine künstliche Lichtquelle, da das natürliche Licht für eine kurze Belichtungszeit nicht ausreicht. Rechts des Dias befinden sich die 3 Komponenten, die man auch von einer Digitalkamera her kennt: Zunächst werden die einfallenden Lichtstrahlen durch ein Linsensystem (Optik) eingefangen, gebündelt und fokusiert. Im Moment des Auslösens (Drücken des Scan-Buttons am Gerät oder in der Scan-Software) öffnet sich der Verschluss (entspricht bei der Kamera einer Blende) für einen kurzen Moment, und die von der Optik eingefangenen Lichtstrahlen gelangen auf den hinter dem Verschluss liegenden CCD-Sensor. Damit ist die Aufnahme, also das Foto vom eingelegten Dia, gemacht und die interne Signalverarbeitung kann daraus ein Digitalbild berechnen, das man anschließend am Display des Scanners oder am Bildschirm innerhalb der Scanner-Software sieht.

CMOS-Scanner fotografieren den eingelegten Film ab. Sie sind preislich extrem günstig; die Bildqualität ist jedoch so bescheiden, dass sie sich nicht für die Archivierung von Filmmaterial eignet.

Die deutsche Firma reflecta war eine der ersten, die CMOS-Scanner auf den Markt brachte, und zwar sowohl zum Scannen von Dias und Negativen als auch zum Digitalisieren von Papierbildern kleinen Formates. Inzwischen gibt es von unzähligen Firmen CMOS-Scanner, die oftmals vom gleichen Fabrikanten stammen und nur anders gelabelt werden. Sogar in den Aktionsverkaufsständen von großen Supermarktketten findet man teilweise CMOS-Scanner zum Spottpreis.

Welche Marke auch immer auf dem Gehäuse des CMOS-Scanners drauf steht, die Geräte sind sich alle sehr ähnlich und unterscheiden sich nur im Funktionsumfang. Die Bildqualität ist generell so schlecht, dass sie nur für Schnellscans ausreicht, z.B. um ein paar Bilder in eine Webseite zu integrieren oder sie an Freunde zu schicken. Für die digitale Archivierung eines Filmarchives eignen sich die CMOS-Scanner nicht.

Dias Abfotografieren mit der Digitalkamera

Die derzeit verfügbaren CMOS-Scanner sind durch die Bank Low-Budget Geräte, die dementsprechend auch nur mit eher einfachen Komponenten bestückt sind. Wer in besserer Qualität mit dem CMOS-Flächensensor digitalisieren möchte, greift daher zur Eigenbaulösung. Im Grunde kann man mit jeder Digitalkamera Dias und Negative abfotografieren, für gute Qualität ist erstklassiges Equipment aber Pflicht. Hochwertige Komponenten wie eine Vollformat-DSL mit Makroobjektiv, ein stabiles Stativ, die Beleuchtung und eine entsprechende Vorlagenhalterung sind nicht billig, aber man kann das meiste ja auch noch zum allgemeinen Fotografieren verwenden.

Dias abfotografieren

Es gibt im Fotozubehörhandel unzählige Diahalter und Digitalisierungsvorsätze, aber keine sofort einsatzbereite Komplettlösung inklusive Software wie man sie mit jedem handelsüblichen Scanner erhält. Wer gute Ergebnisse erzielen möchte, muss daher selbst einiges an Arbeit in das System hineinstecken. Gegenüber hochwertigen Filmscannern hat ein Makroobjektiv eine höhere Schärfentiefe, was insbesondere bei leicht gewölbten Vorlagen vorteilhaft ist. Abbildungsfehler, die in der allgemeinen Fotografie kaum zu vermeiden sind (Vignettierung, Verzeichnung, Schärfeabfall zum Bildrand hin), spielen im Nahbereich beim Einsatz eines hochwertigen Makroobjektives praktisch keine Rolle. Wichtig ist aber die exakte Ausrichtung der Kamera, bei Fotos im Maßstab 1:1 wirken sich selbst geringste Positionsveränderungen der Kamera aus.

Mit einer indirekten Beleuchtung kann man Staub- und Kratzer - ähnlich dem Diffusor, der beim ca. 20.000 € teuren Scanner Hasselblad Flextight X5 zum Einsatz kommt - abmildern, aber eine vollwertige Lösung wie die infrarotbasierte Staub- und Kratzerentfernung bei Scannern ist das natürlich nicht. Manuelle Retusche ist bei diesem Verfahren also aufwendiger als bei einem klassischen Scan. Es gibt auch bisher keine spezielle Digitalisierungssoftware für diesen Einsatzbereich. Mit Photoshop® kann man zwar grundsätzlich alles erledigen, es ist aber zeitaufwendig. Speziell beim Digitalisieren von Negativen ist echte Scansoftware beispielsweise durch Filmprofile besser aufgestellt als allgemeine Bildeditoren.

Nach heutigem Stand sind die CMOS-Flächensensoren in punkto Dynamikumfang zudem immer noch etwas schlechter als gute CCD-Zeilensensoren. Das macht sich insbesondere beim Digitalisieren von Dias bemerkbar. Über kurz oder lang werden die Digitalkameras hier sicher aufholen, zumal bei Digitalkameras ja im Gegensatz zu der eher konservativen Scanner-Industrie erheblich in Forschung und Entwicklung investiert wird. In einem Punkt ist das Abfotografieren führend: Die Geschwindigkeit ist deutlich höher als beim klassischen Scan. Wenn man das System einmal eingerichtet und auf seine eigenen Bedürfnisse abgestimmt hat, kann man zügig auch große Archive digitalisieren. Beim Scannen kann man zwar eine bessere Qualität erzielen, der Zeitaufwand ist aber höher.

Mit einer hochwertigen digitalen Spiegelreflexkamera und einem guten Aufbau kann man weitaus bessere "Scans" erzeugen als mit einfachen CMOS-Scannern. Der Zeitaufwand für den Aufbau des Systems ist jedoch beträchtlich.

Richtig durchgesetzt hat sich das Abfotografieren von Diapositiven nie; fertige Lösungen konnten sich nie am Markt behaupten, da gute Filmscanner im Laufe der Jahre immer preisgünstiger wurden und qualitativ bessere Scans liefern, nicht zuletzte wegen automatischer Staub- und Kratzerkorrekturverfahren. Wer keine Dias sondern Negative zu Digitalisieren hat kommt mit Abfotografieren ohnehin nicht weit.

Flachbettscanner mit Durchlichteinheit

Der Flachbettscanner ist ein Methusalem der EDV. 1976 wurde von Ray Kurzweil in Zusammenarbeit mit den Bell-Laboratories entwickelt. Erstmals kam das Gerät in der Kurzweil Reading Machine zum Einsatz. Für 100.000 US-Dollar, was damals dem Preis eines Hauses in der Vorstadt entsprach, bekam man ein Gerät von der Größe einer Waschmaschine. Selbst Anfang der 90er Jahre kosteten einfache Schwarz/Weiß-Flachbettscanner ohne Durchlichteinheit noch mehrere Tausend DM. Seitdem sind Flachbettscanner nicht nur sehr viel kleiner sondern auch deutlich billiger geworden. Flachbettscanner können grundsätzlich sowohl Auflicht- als auch Durchlichtvorlagen einlesen. Wer einen universell einsetzbaren Scanner sucht, wird beim Flachbettscanner also fündig.

Canon CanoScan 9000F

Flachbettscanner, die sich für das Digitalisieren von Dias und Negativen eignen, haben eine Durchlichteinheit. Nicht alle Flachbettscanner verfügen über eine Durchlichteinheit, auch gibt es zwischen den verschiedenen Modellen Unterschiede. Für manche Flachbettscanner ist eine Durchlichteinheit nur optional erhältlich. Billige Scanner haben oft eine sehr kleine Durchlichteinheit, nur bei den teureren Modellen wird die gesamte Scanfläche durchleuchtet. Für den Stapelbetrieb ist es jedoch wichtig, dass man möglichst viele Filmstreifen bzw. gerahmte KB-Dias auf einmal in den Scanner einlegen kann. Je größer die Durchlichteinheit ist desto effizienter kann man mit dem Scanner arbeiten.

Bei der Scanqualität von Durchlichtauflagen erreichen Flachbettscanner nicht den Standard guter Filmscanner. Ein Grund hierfür ist die Glasauflage, auf welcher die Vorlage beim Scan liegt. Während beim Filmscanner zwischen Scanneroptik und Vorlage nur Luft ist, muss der Flachbettscanner die Scanvorlage durch eine Glasscheibe hindurch einlesen. Ein weiteres Manko von Flachbettscannern gegenüber Filmscannern ist die viel zu niedrige tatsächliche Auflösung (die Hersteller-Angaben werden in der Praxis deutlich unterschritten) und der viel zu geringe Dichteumfang. Dafür ist es bei Flachbettscannern möglich auch Mittelformate und Großformatvorlagen zu digitalisieren. Das ist insbesondere dann interessant, wenn man nur über ein beschränktes Budget verfügt. Spezialisierte Scanner für Mittelformat- oder Großformatvorlagen sind nämlich überproportional teuer, Flachbettscanner sind hingegen vergleichsweise günstig.

Wenn man die technischen Daten von Flachbett- und Filmscannern miteinander vergleicht, wird man keine großen Unterschiede feststellen. Allerdings gibt es vor allem bei Flachbettscannern eine spürbare Diskrepanz beispielsweise zwischen der nominellen und der tatsächlichen Auflösung. Gute Filmscanner wie der Nikon Super Coolscan 5000 ED holen sichtbar mehr aus einer Vorlage heraus als gute Flachbettscanner wie der Epson Perfection V750 Pro. Während der Nikon von der Nominalauflösung von 4000 dpi in der Praxis immerhin 3900 dpi erreicht, verspricht der Epson 6400 dpi und liefert am Ende nur 2300 dpi. Bei Flachbettscannern erhält man also extrem aufgeblähte Dateien, in denen jeder Bildpunkt mehrfach enthalten ist. Diese aufgeblähten Dateien zu verkleinern ist eine zeitaufwändige Aufgabe im Bildbearbeitungsprogramm nach dem eigentlichen Scanvorgang.

Bis etwa zur Jahrtausendwende gab es noch sehr teure High-End Flachbettscanner, beispielsweise von Heidelberg oder Creo. Diese erzielten bessere Abbildungsleistungen, allerdings ist die Sparte der High-End Flachbettscanner inzwischen faktisch ausgestorben.

Alles in allem sind Flachbettscanner die idealen Alleskönner, wenn man sich nur einen Scanner zulegen möchte. Mit der Abbildungqualität von Spezialisten wie Filmscannern können herkömmliche Flachbettscanner aus dem Desktopbereich zwar nicht mithalten, dafür sind sie aber auch vielseitiger einsetzbar als die Spezialisten und vergleichsweise preiswert.

Flachbettscanner - Auflichtscans

Wie funktioniert ein Flachbettscanner? Zwei Grafiken sollen dies für Auflichtscans und Durchlichtscans demonstrieren. Das Scannen von Auflichtscans (Papiervorlagen, Fotos etc.) kennt jeder von modernen Kopierern: Man legt die Papiervorlage auf die Glasplatte des Scanners und schließt die Scannerabdeckung, damit die Vorlage platt auf der Glasfläche aufliegt. Dann fährt eine Lichtquelle die Scanneroberfläche von vorne bis hinten ab und bestrahlt die Papiervorlage von unten mit Licht. Die reflektierten Lichtstrahlen werden über ein Spiegelsystem umgelenkt, dann von einem Linsensystem (Optik) gebündelt und fokusiert, und treffen dann auf den CCD-Zeilensensor, der mit Hilfe von Fotodioden die Lichtstrahlen in elektrische Impulse wandelt, die dann von der Signalverarbeitung in der Scannerelektronik zu einem Digitalbild weiterverarbeitet werden können. Nach diesem Funktionsprinzip arbeiten sowohl moderne Flachbettscanner als auch moderne Kopierer (aktuelle Kopierer sind nichts anderes als ein digitaler Scanner in Kombination mit einem Drucker vereint in einem Gerät).

Flachbettscanner - Durchlichtscans

Filmmaterial ist im Gegensatz zu Papiervorlagen durchsichtig, d.h. von unten kommendes Licht würde im Gegensatz zu Papierscans nicht reflektiert werden. Aus diesem Grunde benötigen Flachbettscanner, die das Digitalisieren von Filmmaterial ermöglichen, eine Durchlichteinheit. Dabei handelt es sich um eine Lichtquelle, die zumeist im Deckel des Scanners integriert ist. Diese durchleuchtet die Vorlage (Filmmaterial) von oben, so dass die Lichtstrahlen der Scannerlichtquelle von oben durch den Film hindurch über das Spiegelsystem und die Optik auf den CCD-Sensor gelangt. Zusätzlich zum Filmmaterial müssen die Lichtstrahlen noch die Glasoberfläche des Scanners durchdringen, was Qualitätsverluste mit sich bringt, da es sich in der Regel nicht um hochwertiges Glas handelt. Die Vorlagen können übrigens Positive oder Negative sein, die entsprechende Umrechnung macht die Scanner-Software.

Flachbettscanner benötigen eine integrierte bzw. optionale Durchlichteinheit um Dias oder Negative zu digitalisieren. Die Bildqualität kommt zwar nicht an die eines Filmscanners heran, übertrifft aber in der Regel die eines einfachen CMOS-Scanners.

Wie schon erwähnt sind Flachbettscanner eine praktische Alternative zum gelegentlichen Scannen von Dias oder Negativen. Da ein Flachbettscanner ohnehin schon zur Standard-Ausstattung eines PC-Arbeitsplatzes gehört benötigt man nicht zusätzlich Platz für ein weiteres Gerät und kann mit einem Gerät sowohl Papiervorlagen als auch Filmmaterial digitalisieren. Da die Bildqualität jedoch stark zu wünschen lässt eignen sich Flachbettscanner nicht zur dauerhaften Digitalisierung seines Filmarchives sondern sind vielmehr dazu geeignet, gelegentlich ein paar alte Dias oder Negative in den Rechner zu bringen, um sie Freunden zu zeigen oder um sie ins Internet zu stellen.

Filmscanner (Desktop-Bereich)

Filmscanner sind eine relativ neue Erfindung, sie kamen in den 1990er Jahren auf. Damals war es eine Revolution, dass Pressefotografen ihre entwickelten Bilder mit einem tragbaren Scanner digitalisieren konnten. Vor dem Aufkommen bezahlbarer digitaler Spiegelreflexkameras war das Einscannen entwickelter Filme der schnellste Weg Bilder an Redaktionen weiterzuleiten. Verglichen mit den damals bei Medienunternehmen gebräuchlichen Trommelscannern waren die kompakten Filmscanner für den Desktop-Einsatz deutlich handlicher.

Nikon Filmscanner und Zubehör

Im Gegensatz zu Flachbettscannern sind Filmscanner reinrassige Spezialisten. Sie sind in aller Regel nicht nur auf Durchlichtvorlagen beschränkt, sondern auch bei den Formaten wenig flexibel. Standard ist in dieser Geräteklasse nur das Scannen von Kleinbildvorlagen. Das Mittelformat verarbeiten nur sehr wenige Filmscanner, und im Großformat muss man zu anderen Geräteklassen wie Hasselblad-Scanner, Flachbettscanner oder Trommelscanner wechseln. Ob exotischere Formate wie APS oder Minox unterstützt werden, hängt dann vom jeweiligen Scanner ab. Voraussetzen kann man das nicht, das sollte man vor dem Kauf klären. Häufig sind für Sonderformate spezielle Adapter notwendig, die dann separat zusätzlich zum Scanner zu erwerben sind.

Für den vielseitigen Einsatz sind Filmscanner also nicht gerade prädestiniert, dafür punkten sie in der Disziplin, auf die es ankommt: bei der Scanqualität. Gute Filmscanner wie die letzte Nikon CoolScan Baureihe (5/5000/9000) können Kleinbild-Dias detailreich und brillant wiedergeben, der Unterschied zu Scans aus Flachbettscannern oder gar CMOS-Scannern ist dann beträchtlich. Ein Nachteil kann speziell bei der Coolscan-Baureihe die geringe Schärfentiefe sein. Allerdings gibt es eben bisher keine qualitativ vergleichbaren Filmscanner anderer Hersteller mit größerer Schärfentiefe. Die besseren Filmscanner können zudem mit einem automatischen Transport von Filmstreifen aufwarten, sogar die Stapelverarbeitung gerahmter Dias direkt aus dem Magazin ist teilweise möglich.

Leider gibt es bei den Filmscannern nur noch sehr wenige verbliebene Hersteller. Große Unternehmen, die man aus dem Fotobereich kennt, wie Minolta, Nikon und Canon haben sich aus dem Bereich komplett zurückgezogen; es gibt nur noch selten echte Neuerungen, und die Konkurrenz ist auch nicht sonderlich stark ausgeprägt. Somit gibt es hier die im schnelllebigen IT-Business wohl einmalige Konstellation, dass ein Gerät welches schon in 2003 vorgestellt wurde (Nikon Super Coolscan 5000) derzeit immer noch als technisch führend gilt.

Die Investition in einen Filmscanner lohnt sich immer dann, wenn man bereit ist für eine bessere Bildqualität Abstriche bei der Vielseitigkeit zu machen. Im Vergleich zu Flachbettscannern liefern Filmscanner auch heute noch durchgängig eine höhere Qualität und daran wird sich vermutlich auch in absehbarer Zeit nichts ändern. Es sind eben echte Spezialisten mit allen Vor- und Nachteilen.

Funktionsweise eines Filmscanners

Während ein Flachbettscanner eigentlich für das Scannen von Papiervorlagen gebaut wird und nur über das Hinzufügen einer Durchlichteinheit das Scannen von Filmmaterial ermöglicht, ist ein Filmscanner für nichts anderes als das Scannen von Dias und Negativen konstruiert. Dementsprechend ist das ganze System daraufhin optimiert. Glasflächen, die die Bildqualität negativ beeinflussen, findet man bei Filmscannern nicht. Als Lichtquelle kommen in der Regel LEDs zum Einsatz; diese haben den Vorteil, dass sie keine nennenswerte Wärme bilden, so dass es kein Ploppen von Dias gibt, wie man es z.B. bei Diaprojektoren kennt, wenn die Glühbirne das Dia stark erhitzt. Das von den LEDs ausgestrahlte Licht durchleuchtet direkt das eingelegte Positiv oder Negativ und wird über einen Umlenkspiegel durch eine Optik direkt auf den CCD-Zeilensensor geleitet. Auf diesem sitzen Tausende von Photodioden, die das einfallende Licht in elektrische Signale wandeln und an den Bildverarbeitungsprozessor weiterleiten. Im Gegensatz zu CMOS-Scannern wird das Bild nicht als Ganzes sondern zeilenweise abgetastet. Ausführliche Informationen dazu finden Sie auf unserer Seite über CCD-Sensoren.

Filmscanner zeichnen sich dadurch aus, dass sie eine sehr hohe Auflösung haben, die die sehr guten Geräte auch in der Praxis erreichen, und dass sie einen hohen Dichteumfang haben, so dass der volle Dynamikumfang eines Dias oder Negativ erfasst werden kann. Fast alle Geräte haben heutzutage eine auf Infrarotbasis funktionierende automatische Staub- und Kratzerkorrektur, so dass die Scans oftmals besser als das Original werden.

Filmscanner sind speziell für das Digitalisieren von Dias und Negativen gebaut. Dank ihrer hohen Auflösung und ihre hohen Dichteumfanges sowie der hardwaremäßigen Staub- und Kratzerkorrektur erzielen gute Geräte eine Bildqualität, die die eines jeden Flachbettscanners oder CMOS-Scanners deutlich in den Schatten stellt.

Einen guten Filmscanner wie den Reflecta CrystalScan 7200 erhält man bereits für ca. 250 Euro; nach oben hin sind den Preisen fast keine Grenzen gesetzt.

Filmscanner (Fotolabor-Bereich)

Wenn von Filmscannern die Rede ist, denkt man meist an die Desktop-Geräte, welche sowohl beim Fotoamateur als auch bei vielen Scandienstleistern zum Einsatz kommen. Daneben gibt es aber noch spezielle Scanner für den Einsatz in Fotolaboren, welche ebenfalls als Filmscanner vermarktet werden. Anders als die Desktop-Filmscanner sind die Labor-Filmscanner aber für maximalen Durchsatz konzipiert. Im Fotolabor muss es schnell gehen, sonst wird kein Geld verdient.

Noritsu HS-1800

Das Einscannen der Filmvorlagen ist in Fotolaboren schon seit den 1990er Jahren Standard. Einen rein analogen Workflow wird man allenfalls noch im Fachlabor finden, wenn überhaupt. Allerdings sind diese Scans, die sich auch zusätzich zu den Bildern auf Photo-CD ausgeben lassen, oft von eher schlechter Qualität. In der Regel handelt es sich hierbei um niedrig aufgelöste JPEG-Scans, was die weitere Verwendung der Bilder natürlich stark einschränkt.

Es gibt aber in Fotolaboren darüber hinaus auch spezielle Filmscanner, beispielsweise von Herstellern wie Noritsu oder Fuji. Diese können die Vorlagen in guter Qualität und hoher Auflösung einlesen, allerdings hängt es hier - wie bei den anderen Scannerklassen auch - natürlich stark davon ab, mit welcher Sorgfalt die Maschine konfiguriert wurde. Auch gibt es zwischen den verschiedenen Scannermodellen teils erhebliche Unterschiede. Die Auflösung bewegt sich dann in ähnlichen Bereichen wie bei Desktop-Filmscannern, auch eine automatische Staub- und Kratzerentfernung via Digital ICE ist bei den Labor-Scannern üblich.

Wer auf den Herstellerwebseiten weitere Informationen sucht, beispielsweise bei Noritsu, erfährt wenig. In diesem Marktsegment scheint der Durchsatz pro Stunde das alleinige Kriterium zu sein, Dynamikumfang und maximale optische Auflösung werden nicht offen ausgewiesen. Das erschwert die Vergleichbarkeit mit Desktop-Scannern, zumal es kaum Tests der Fotolabor-Scanner gibt.

Für den Heimeinsatz ist diese Geräteklasse eindeutig überdimensioniert, zumal ja auch Anschaffungskosten im fünfstelligen Bereich anfallen. Ähnlich wie bei Desktop-Filmscannern hängt die Scanqualität entscheidend von dem verwendeten Scannermodell ab. Während es bei Desktop-Scannern sehr einfach ist, einen Scanner qualitativ einzuordnen, braucht man bei den Fotolabor-Scannern dafür schon Expertenwissen. Das liegt nicht zuletzt an der sparsamen Informationspreisgabe der Hersteller.

Auflösungstest Noritsu HS-1800

Eine interessante Frage ist, welche Auflösung ein Laborscanner in der Praxis liefert. Wir haben dazu ein USAF-1951 Testchart mit einem Noritsu HS-1800 gescannt. Die maximale Nominal-Auflösung im Kleinbildbereich liegt bei 4790 dpi. Einen Ausschnitt des resultierenden Scans zeigt das nebenstehende Bild: Darin kann man die 3 Balken des Elements 6.4 gerade noch erkennen. Dies entspricht gemäß unserer Auflösungstabelle einer effektiven Auflösung von ca. 4600 dpi. Das ist sowohl größenmäßig ein hervorragender Wert, als auch zeugt der Wert, dass der Noritsu HS-1800 in der Praxis nahezu das liefert, was er verspricht, nämlich ca. 96% der Nominalauflösung, also ein hervorragendes Ergebnis! 1)

Der Noritsu HS-1800 liefert also eine sehr hohe effektive Auflösung; er übertrifft die meisten Filmscanner, die es auf den Markt gibt. Nur die Geräte von Hasselblad oder so mancher Trommelscanner erreichen noch höhere Auflösungen in der Praxis.

Dass ein Scanner wie der Noritsu HS-1800 kein Gerät für den (reichen) Privatmann ist erkennt man auch an der sehr aufwändigen Installation: Man legt nicht einfach eine CD mit einem Treiber in den PC, sondern man schickt seinen PC an den Hersteller, der die Installation und Kalibrierung durchführt. Es ist eben kein Consumer-Gerät sondern ein Laborgerät, wo es auf andere Anforderungen als am Heim-Arbeitsplatz ankommt.


1) Vielen Dank an Herrn Ulrich Schnarr von der Firma Fotospeed aus Wien, der für uns den Auflösungstest gemacht hat.

Trommelscanner mit Photomultiplier-Technik

Der Trommelscanner ist die älteste Geräteklasse unter den Scannern. Schon 1963 stellte Rudolf Hell seinen Chromagraph vor, zu dem Zeitpunkt hatten Computer selbst in Unternehmen noch einen Exotenstatus, Zeitschriften wurden damals noch von Hand gesetzt. Anders als heutige Trommelscanner war der Chromagraph allerdings noch nicht in der Lage eine analoge Vorlage in ein digitales Bild umzuwandeln. Stattdessen produzierte das Gerät Farbauszüge für Druckverfahren, also analoge Varianten der Vorlage. Dies änderte sich dann im Lauf der Jahrzehnte, das Trommelscanprinzip wurde später auch für die Analog-Digitalwandlung eingesetzt.

Trommelscanners Trommelscanners

Trommelscanner waren und sind sündteure Geräte für den Einsatz im Unternehmen. Als groben Richtwert sollte man für ein Neugerät mindestens 30.000 Euro einkalkulieren. Wobei es heute schwierig ist, überhaupt noch Neugeräte zu bekommen. Nach ihrer Blütezeit in den 1990er Jahren hat die aufkommende Digitalfotografie den Trommelscannern zügig den Garaus gemacht. Nach der Jahrtausendwende schrumpfte der Markt für Trommelscanner rapide. Die großen Hersteller wie Heidelberg, Crossfield, Screen, Scan View, Isomet, Optronics, Fuji und Scitex haben die Produktion seit geraumer Zeit eingestellt. Neugeräte gibt es derzeit nur noch von Aztek und ICG, in beiden Fällen scheint es sich aber eher um einen Abverkauf von alten Lagerbeständen zu handeln.

Trommelscanner der früheren Generationen brachten zum Teil ein Gewicht in der Größenordnung eines kleinen Autos auf die Waage, da sie große Schwungmassen zur Stabilisierung der Rotation benötigten. Modernere (aber nicht unbedingt bessere) Geräte sind erheblich leichter und passen auch auf eine große Arbeitsplatte oder sie werden inklusive Steuereinheit als eigene Arbeitsstation aufgestellt, siehe dazu das obige Foto eines Dainippon Screen DT-S1045ai.1)

Funktionsweise eines Trommelscanners

Die Handhabung dieser Geräte ist recht umständlich. Die Scanvorlagen klebt man mit Klebestreifen direkt auf die durchsichtige Scantrommel - ein sehr zeitaufwändiger Vorgang für jedes einzelne Bild. Durch den Einsatz von Scanflüssigkeit vermeidet man Newton-Ringe. Für empfindliche oder nicht biegbare Vorlagen sind Trommelscanner ungeeignet. Allerdings garantiert diese Montagetechnik bei sorgsamer Ausführung auch eine perfekt plane Vorlage, das ist für den Scan natürlich ideal. Üblicherweise wird die Trommel mit Filmmaterial voll gepflastert und dann erst der Scan-Vorgang für sämtliche Vorlagen durchgeführt. Während der Scanner dann Bild für Bild abtastet kann eine zweite Trommel mit Filmvorlagen bestückt werden, um einen effektiven Workflow zu erreichen.

Funktionsweise eines Trommelscanners

Wie funktioniert ein Trommelscanner? Eine Lichtquelle im Innern der Trommel durchstrahlt das auf der Außenfläche der Trommel haftende Filmmaterial . Über ein Linsensystem und ein Spiegelsystem wird das austretende Licht über Farbfilter zu den Photomultipliern geleitet. Dabei filtern die Farbfilter das Licht in einen Rot-, Grün- und Blau-Anteil, der dann jeweils von einem Photomultiplier-Element gemessen wird. Photomultiplier sind viel empfindlicher als Photodioden, wie sie in normalen CCD-Sensoren zum Einsatz kommen, denn Photomultiplier haben dank kaskadierter Dynoden eine Elektronen-verstärkende Wirkung. Aus diesem Grunde können Photomultiplier auch kleinste Lichtmengen in messbare elektrische Signale wandeln und haben deshalb einen viel größeren Dynamikumfang als CCD-Sensoren oder CMOS-Sensoren.

Die gesamte Bildfläche eines aufgelegten Positives wird Pixel für Pixel abgetastet; dabei bewegt sich der Scankopf, der die Optik und den Umlenkspiegel enthält, in Längsrichtung; die horizontale Verschiebung ergibt sich aus der Rotation der Trommel.

Die real erzielbare Auflösung liegt bei Trommelscannern noch höher als bei Filmscannern, 12.000 spi oder mehr sollen sich laut Hersteller-Angaben mit dieser Technik erzielen lassen. Bei Filmscannern ist derzeit ungefähr bei 4.000 spi das Ende der Fahnenstange erreicht. In der Praxis sind die möglichen extrem hohen Auflösungen allerdings nur selten nützlich. Zum einen erzeugt man dadurch extrem große Scandateien: Ein einzelnes KB-Dia belegt bei 12.000 spi als 48-Bit TIFF über 1 Gigabyte Speicherplatz. Zum anderen rechfertigen nur wirklich erstklassige Vorlagen auch eine derartig hohe Auflösung.

Auflösungstest Trommelscanner

CMOS-Scanner, Flachabettscanner und einfache Filmscanner haben allesamt gemeinsam, dass sie in der Praxis eine viel geringere Auflösung liefern als die Herstellerangaben versprechen. Wie sieht dieser Sachverhalt bei Trommelscannern aus? Das nebenstehende Bild zeigt den Scan eines USAF-1951 Targets mit einem Dainippon Screen DT-S1045ai Trommelscanner, Baujahr 1995. Der Scan wurde mit der Nominalauflösung von 8000 dpi durchgeführt1). Wie man unserer Auflösungstabelle entnehmen kann weist der Scan jedoch nur eine effektive Auflösung von nur 4000 dpi auf; das sind gerade mal 50% der Nominalauflösung. Auflösungstests mit zwei weiteren Trommelscannern Screen DT1045 von Dainippon führten zum gleichen Ergebnis.

Auflösungstest Trommelscanner

In einem weiteren Auflösungstest haben wir die Auflösung eines Trommelscanners ICG 370 überprüft2). Das nebenstehende Bild zeigt den inneren Bereich des USAF-1951 Targets, das mit einer Nominalauflösung von 12.000 dpi gemacht wurde. Beim Vergleich des ICG 370 mit dem Screen 1045 erkennt man sofort, dass das Bild schärfer, also höher aufgelöst ist. Gemäß unserer Auflösungstabelle kommt man auf eine sensationelle Auflösung von 6000 dpi. Wie beim Dainippon Screen DTS1045ai erreicht man auch mit dem ICG 370 in der Praxis lediglich ca. 50% der Nominalauflösung.

Diese Ergebnisse sind genauso enttäuschend wie die Messergebnisse bei vielen Flachbettscannern oder preisgünstigen Filmscannern. Beim großen Hasselblad Flextight X5 haben wir eine Auflösung von 6900 dpi gemessen. Damit bleibt der Hasselblad Flextight X5 unangefochtener Spitzenreiter was die Auflösung betrifft. Einschränkend muss man jedoch bemerken, dass ein Hasselblad Flextight X5 seine Maximalauflösung nur im Kleinbildbereich erreicht. Bei größeren Vorlagen sinkt die Auflösung systembedingt auf bis zu 2040 dpi. Ein Trommelscanner hingegen, der effektiv 4000 dpi oder gar 6000 dpi erreicht, liefert diese Auflösung auch bei Großformaten und bleibt deshalb in diesem Bereich immer noch Spitzenreiter.

Bei den Vorlagenformaten sind Trommelscanner flexibel, vom Kleinstbild bis zum Großformat ist alles möglich. Die Vorlage darf nur nicht größer sein als die Trommel selbst. Die teure Hardware und der hohe Arbeitsaufwand schlagen sich natürlich auch in den Scanpreisen nieder. Als groben Richtwert sollte man ungefähr 50 Euro für einen Kleinbildscan einkalkulieren. Je nach Auflösung kann es auch deutlich teurer werden, denn Trommelscans bezahlt man in der Regel nach dem erzeugten Datenvolumen.

Trommelscanner zeichnen sich durch eine sehr hohe Auflösung und einen extrem guten Dynamikumfang aus. Mit ihnen kann praktisch jede Filmvorlage digitalisiert werden, die auf die Trommel passt.

Auch wenn es immer wieder günstige Gebraucht-Angebote bei eBay gibt, ist von Trommelscannern für den Heimeinsatz eher abzuraten. Dafür sind diese Scanner zu komplex. Wenn ein fachkundiger Scanoperator am Werk ist, ist die Bildqualität eines Trommelscanners auch heute noch jeder anderen Digitalisierungsmethode überlegen. Zusätzlich zu den hohen Scankosten ist ein erhöhter Retuscheaufwand bei Preisvergleichen beispielsweise mit Filmscannern zu berücksichtigen. Einen Infrarotkanal zur automatischen Staub- und Kratzerenfernung hat kein Trommelscanner, die Retusche ist also reine Handarbeit. Für die Digitalisierung größerer Bildarchive eignet sich das Verfahren nicht. Wer einzelne Dias in besonders guter Qualität einscannen lassen möchte, ist mit dem Trommelscan gut bedient. Allerdings muss man eben auch dafür entsprechend tief in die Tasche greifen.


1) An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Herrn Josef Seitz aus Krumbach, der uns Bilder vom Trommelscanner Dainippon Screen DT-S1045ai sowie den Auflösungsscan zur Verfügung gestellt hat.

2) Vielen Dank an Janusz Zalasa, der diesen Scan mit seinem Trommelscanner ICG 370 für uns gemacht hat und für uns außerdem einen weiteren Auflösungstest mit einem Dainippon 1045ai durchgeführt hat.

PS: Ich würde mich sehr freuen, wenn mir der eine oder andere Besitzer eines Trommelscanners ein USAF-1951 Target einscannen würde, um ein paar weitere Testergebnisse hinsichtlich Auflösung von Trommelscannern zu erhalten. Kontakt: Patrick Wagner

Virtuelle Trommelscanner / Hasselblad-Scanner

Virtuelle Trommelscanner wurden ursprünglich von dem dänischen Unternehmen Imacon entwickelt; der schwedische Kamerahersteller Hasselblad hat die Marke später übernommen. Imacon-Scanner sind also Vorgängermodelle von den heutigen Hasselblad Flextight Geräten.

Hasselblad Scanner Funktionsweise

Das Scanverfahren basiert auf dem Prinzip der virtuellen Trommel. Beim Scannen legt man die Scanvorlagen in einen glaslosen magnetischen Vorlagenhalter. Dieser biegt sich beim Scan sodass eine virtuelle Trommelform entsteht. Gegenüber klassischen Zeilenscannern, welche die Vorlagen flach einscannen, entsteht somit eine bessere Planlage. Die Wölbungen der Vorlage gleichen sich durch die Biegung weitgehend aus. Das ist insbesondere bei Vorlagen im Mittelformat-Bereich oder Großformat-Bereich vorteilhaft. Die akkurate Ausrichtung eines fachmännsch durchgeführten Trommelscans erreicht man mit dem Hasselblad-Verfahren zwar nicht; aber das Hasselblad-Verfahren ist ja nicht nur wesentlich zeitsparender, sondern auch schonender für die Vorlagen als ein Trommelscan. Bei Hasselblad schwebt der bildwichtige Teil der Vorlage - wie bei Filmscannern - in der Luft, das ist bei empfindlichen Vorlagen ideal.

Hasselblad Flextight Scanner sind mit dem entsprechenden Feeder in der Lage gerahmte Dias stapelweise einzuscannen. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass das Prinzip der virtuellen Trommel nicht zum Tragen kommt, weil die Vorlagen dann nicht gebogen werden können. Man spart sich somit zwar das Ausrahmen, aber von der besseren Schärfentiefe durch die virtuelle Trommel profitiert man dann nicht. Bei gerahmten Dias arbeiten Hasselblad-Scanner genauso wie herkömmliche Filmscanner.

Bisher gibt es noch kein Hasselblad-Modell mit Infrarotkanal. Die hardwareunterstützte Staub- und Kratzerentfernung ist mit diesen Scannern daher nicht möglich. Allerdings verfügt das Topmodell Hasselblad Flextight X5 über einen Lichtkondensator. Dank einer indirekten Beleuchtung sind Staub- und Kratzer dann weniger prominent auf dem Scan zu sehen als das bei der direkten Beleuchtung wie beim Hasselblad Flextight X1 der Fall ist. Sowohl das Hasselblad-Einstiegsmodell als auch nahezu alle Filmscanner herkömmlicher Bauuart arbeiten mit direkter Beleuchtung. Prinzipbedingt wird man bei Hasselblad daher immer einen etwas höheren Retuscheaufwand haben im Vergleich zu herkömmlichen Filmscannern, die dank Digital ICE die Vorlagen automatisch blankputzen.

Hasselblad Flextight X5

Hasselblad-Scanner verarbeiten Durchlicht- und Auflichtvorlagen bis zu einem Format von 10,0 x 24,5 Zentimetern. Damit sind sie trotz ähnlicher Technik wesentlich flexibler einzusetzen als Filmscanner. Bei der real erzielbaren Auflösung stecken die Hasselblad-Scanner alle derzeit erhältlichen Flachbett- und Filmscanner in die Tasche. Bei einer nominellen Auflösung von 8000 spi sind immerhin “echte” 6900 spi erzielbar. Wer noch höhere Auflösungen braucht, der muss zu den Trommelscannern wechseln.

Bei der Auflösung kommt eine Besonderheit des Hasselblad-Systems zum Tragen. Der Abstand zwischen CCD-Zeilensensor und Vorlage ändert sich bei Hasselblad in Abhängigkeit von der Vorlagengröße. Im Kleinbildformat beträgt die nominelle Auflösung 8000 spi, im Mittelformat sind es 3200 spi und im Großformat noch 2040 spi. Das ist insofern aber zu vernachlässigen, als die größeren Formate durch die größere Scanfläche auch höhere Qualitätsreserven haben. Außerdem führen hohe Auflösungen bei großen Formaten zu extrem großen Scandateien. Ein 60 x 60 Mittelformat-Dia belegt im 16-Bit TIFF-Format immerhin schon 436 Megabyte, das ist auch für Diavorlagen von guter Qualität in der Regel völlig ausreichend.

Ganz so teuer wie ein Trommelscanner sind Hasselblad-Scanner zwar nicht, aber die Anschaffungskosten liegen je nach Modell schon zwischen Kleinwagen- und Golfklasse. Die fehlende Staub- und Kratzerentfernung ist beim Kleinbildformat ein Nachteil. In dieser Klasse sind Digital ICE oder ähnliche Verfahren Branchenstandard und ein nicht zu unterschätzendes Feature gerade bei der Massendigitalisierung von Vorlagen. Vom Konzept her sind Hasselblad-Scanner prädestiniert für Mittelformat- und insbesondere für Großformatvorlagen. Hier kommt das Konzept der virtuellen Trommel ideal zum Tragen. Durch die einfachere Bedienung sind Hasselblad-Scans zudem deutlich preiswerter als Trommelscans, die schonende Behandlung der Vorlagen ist ein weiterer Pluspunkt.

Hasselblad Flextight Scanner zeichnen sich durch eine sehr hohe Auflösung und eine extrem gute Farbwiedergabe aus. Auch wenn sie über keine automatische Staub- und Kratzerkorrektur verfügen kann man sie getrost als die heutigen Topmodelle im Filmscannerbereich bezeichnen.

Der Preis für einen Hasselblad-Scanner liegt im Bereich von 10.000 € bis 20.000 €. Es gibt ein sehr großes Hasselblad Zubehör-Sortiment, so dass man mit den Flextight Scannern quasi jede Filmsorte digitalisieren kann. Während die Bedienung eines Trommelscanners früher eine entsprechende Berufsausbildung verlangte kann man den Umgang mit einem Hasselblad Flextight Scanner fast so einfach erlernen wie die Bedienung eines einfachen Desktop-Filmscanners.

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