Kameraprofilierung mit SilverFast DCPro

Kommt es bei der fotografischen Arbeit auf die exakte Farbwiedergabe an, so ist die Verwendung eines individuellen Kameraprofils unumgänglich. Dadurch lässt sich eine aufwendige, nachträgliche Bildbearbeitung umgehen, da die Farben von vornherein stimmen.

Warum sollte ich meine Digitalkamera profilieren?

Keine Kamera stellt Farben von vornherein genau so dar, wie sie in der Realität aussehen. Dabei unterscheiden sich die Farbfehler nicht nur von Hersteller zu Hersteller und auch nicht nur von Modell zu Modell, sogar zwei Exemplare ein und des selben Kameramodells können aufgrund von Produktionsschwankungen in ihrer Farbdarstellungen voneinander abweichen.

Durch die Verwendung eines individuellen Kameraprofils können diese Abweichungen korrigiert werden, ohne die Bilder nachträglich zu bearbeiten. Man spart dadurch nicht nur Zeit und somit ggf. auch Geld, sondern steigert auch die Bildqualität, da die Farben von vorn herein korrekt sind.

Der Aspekt der Farbtreue tritt immer dann in den Vordergrund, wenn es darum geht, die Farben des Motivs möglichst naturgetreu wiederzugeben. Fotografiert man z.B. Textilien für den Katalog eines Modelabels oder fertigt Reproduktionen von Gemälden an, so ist es meist unerlässlich, die verwendete Kamera zu profilieren. Nur so kann sichergestellt werden, dass z.B. das "Ultra-Marine-Himmelblau" der neuesten Kollektion auf dem Foto auch so aussieht wie in der Realität. Auch bei Aufnahmen ausserhalb des Studios wirken die Farben realistischer. Zum Beispiel werden feinste Nuancen der verschiedenen Grüntöne eines Landschaftsfotos differenziert wiedergegeben und Hauttöne bei Porträtaufnahmen zeigen den echten, natürlichen Teint der fotografierten Person(en).

Grundlagen zur Kameraprofilierung

Die Erstellung eines Kameraprofils verläuft prinzipiell auf die gleiche Art und Weise wie die Profilerstellung für jedes andere Eingabegerät auch: eine vorgefertigte, genau definierte Farbfelder enthaltende Vorlage, das sogenannte Kalibrierungstarget, wird digitalisiert. Die resultierenden Farbwerte des digitalsierten Bildes werden von der verwendeten Software ausgemessen und mit den Sollwerten verglichen, die speziell für das verwendete Target gelten. Diese Sollwerte werden in der Regel vom Hersteller des Targets durch die Messung mit einem Kolorimeter sehr präzise ermittelt, und in einer sogenannten Referenzdatei gespeichert, die mit dem Target mitgeliefert wird. Die Differenzen zwischen diesen Sollwerten und den tatsächlichen Farbwerten, die das Eingabegerät liefert, werden dann von der Software ermittelt und in einem individuellen Farbprofil festgehalten. Ein Farmanagement-fähiges Programm berücksichtigt bei der Ausgabe des Bildes dieses Profil, und korrigiert die Darstellung entsprechend.

Da sich die "Fehlsichtigkeit" einer Kamera bei verschiedenen Lichtarten unterschiedlich auswirkt, sind theoretisch die besten Ergebnisse zu erzielen, wenn man für jede Lichtsituation ein eigenes Profil erstellt. In der Praxis genügt es meistens jedoch, einige wenige Profile zu erstellen. So kann man ein Profil, das anhand eines bei Blitzlicht im Studio fotografierten Targets erstellt wurde, auch für Aufnahmen bei Tageslicht nutzen, vorausgesetzt man passt den Weissabgleich entsprechend an. Weiterhin kann man z.B. noch ein Profil für Glühbirnenlicht und eines für Halogenlicht erstellen. Damit ist man für einen Großteil der in der Praxis auftretenden Lichtsituationen gerüstet. Für spezielle Beleuchtungen können natürlich jederzeit eigenen Profile erstellt werden.

Die Profilerstellung mit SilverFast DCPro

Mit Hilfe des mitgelieferten Kalibrierungstargets und der in die Software integrierten Funktion zur Profilerstellung ermöglicht SilverFast DCPro die einfache und bequeme Profilierung einer Digitalkamera.

Schritt 1: Aufnahme des Kalibrierungstargets

Das DCPro Target

Zunächst muss das Kalibrierungstarget fotografiert werden. Wichtig dabei ist, Reflexionen auf dessen Oberfläche zu vermeiden, und für eine gleichmässige Ausleuchtung zu sorgen. Am besten lässt sich das in einem Fotostudio mit mindestens zwei diffus strahlenden Lampen, die jeweils links und rechts im 45° Winkel zum Target aufgestellt werden, realisieren.

Sehr wichtig ist es auch, auf die richtige Belichtung zu achten. Die genaueste Messung ist mit einem Belichtungsmesser und Lichtmessung zu erreichen. Man misst dann in allen vier Ecken und in der Mitte des Targets das Licht, und stellt die Lampen so ein, dass an allen Messpunkten die selben Belichtungswerte angezeigt werden. Hat man das entsprechende Equipment nicht, kann auch eine Objektmessung auf eine Graukarte mit dem in die Kamera integrierten Belichtungsmesser durchgeführt werden. Wenn auch keine Graukarte vorhanden ist, kann man auch das Target anmessen, und eine Belichtungsreihe machen. Man wählt dann die Aufnahme aus, bei der der Weisspunkt RGB-Werte von ca. 240 aufweist. Dies lässt sich z.B. mit dem SilverFast Densitometer ausmessen.

Der Studioaufbau zur Testchart-Aufnahme

Ein weiterer, für die Erstellung eines fehlerfreien Profils unerlässlicher Punkt ist der korrekte Weißabgleich. Bei den meisten Kameras ist dazu eine neutral-graue Fläche anzumessen. Am besten ist dazu eine Graukarte geeignet, die man mit dem Licht, unter dem später auch das Kalibrierungstarget fotografiert werden soll, beleuchtet.

Oben sehen Sie den Studioaufbau, den wir zur Aufnahme des Testcharts vorgenommen haben. Damit wurden ideale Bedingungen zur korrekten Belichtung der Aufnahme geschaffen.

Aber nicht nur im Fotostudio ist die richtige Aufnahme des Targets möglich. Man kann es auch gut im freien aufnehmen, wenn Reflexionen vermieden werden können. Auf die richtige Belichtung und den korrekten Weissabgleich ist natürlich auch hier zu achten.

Schritt 2: Auswertung des Targets und Berechnung des Profils

Der Kalibrierungsvorgang

Hat man das Target schliesslich fotografiert, kann die entsprechende RAW-Datei in SilverFast DCPro geöffnet werden. Hier klickt man dann auf den Kalibrierungs-Button, woraufhin man zunächst durch setzen eines Häkchens festlegen muss, dass statt eines IT-8 Targets das spezielle DCPro Target verwendet wird. Nun legt man mit Hilfe eines viereckigen, gestrichelten Rahmens, dessen Eckpunkte unabhängig voneinander bewegt werden können, die Ränder des Targets fest. Innerhalb dieses Rahmens sind Positionsmarkierungen für die Farbfelder vorhanden, die bei korrekter Ausrichtung genau über den Farbfeldern liegen. Klickt man nun auf Start, erkennt SilverFast anhand des Strichcodes auf dem Target, welche Referenzdatei zu der verwendeten Vorlage gehört, und berechnet damit das Profil. Nun kann man dem Profil noch einen Namen geben, woraufhin es in das entsprechende Verzeichnis gespeichert und automatisch aktiviert wird. Von nun an wird für jede in SilverFast DCPro geöffnete Datei dieses Profil berücksichtigt, solange man es nicht deaktiviert oder ein anderes Profil wählt.

Schritt 3: Auswahl des entsprechenden Profils

Wie oben bereits beschrieben, macht es durchaus Sinn für verschiedene Lichtsituationen eigene Profile zu erstellen. Welches Profil bei der Berechnung der fertigen Bilddatei berücksichtigt werden soll, kann man im CMS-Dialog bei den SilverFast-Optionen auswählen.

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