Scannen von Kodachrome Filmen
Das Scannen von gerahmten Dias (Positiven) und Negativstreifen gehört zu den Standard-Aufgaben eines jeden Filmscanners. Und in jeden Filmscanner, in den man ein ganz normales Dia einlegen kann, kann man auch ein gerahmtes Kodachrome-Bild einlegen und ganz normal als Positiv scannen. Die Scan-Ergebnisse liegen jedoch zumeist irgendwo im Bereich zwischen unbefriedigend und total enttäuschend. Einzelne Film-Scanner bieten deshalb spezielle Einstellungen/Farbprofile für Kodachrome-Vorlagen an, um zufriedenstellende Ergebnisse zu produzieren. Diese Seite soll einige Einblicke in die Materie der Kodachrome-Filme und das Digitalisieren solchen Filmmaterials bringen.
Hinweis: Die Bilder auf dieser Seite wurden freundlicherweise von Manfred Jagoda aus Ismaning zur Verfügung gestellt. Das Copyright liegt selbstverständlich bei ihm.
Was ist überhaupt ein Kodachrome-Film?
Kodachrome-Filme stammen - wie man aus dem Namen schon ableiten kann - von der Firma Kodak und bilden eine eigene kleine Film-Familie mit den Familienmitgliedern Kodachrome 25, Kodachrome 64 und Kodachrome 200. Die Ziffern stehen für die ISO-Empfindlichkeit des Filmes. Kodachrome-Filme werden auch als Farbumkehrfilme bezeichnet.
Die Kodachrome-Familie ist im Prinzip schon eine sehr alte Film-Familie, die jedoch dank ihrer ganz besonderen Eigenschaften immer noch lebt und vielfach verwendet wird. Kodachrome-Filme zeichnen sich durch eine extreme Feinkörnigkeit und ein hohes Auflösungsvermögen aus. Dadurch geben Kodachrome-Filme mehr Details wieder als es so manch anderer Profi-Film tut. Ein Kodachrome Film glänzt ferner durch seine Farbbeständigkeit: auch nach Jahrzehnten behält das Bild (bei entsprechender Lagerung) seine Farben bei.
Genau die Eigenschaft der Farbtreue und Farbbeständigkeit fällt mir auch immer wieder bei unserem Scan-Service auf: Während man bei 30 Jahre alten Normal-Dias gerne mit Farbrestaurationsverfahren wie ROC arbeitet, erhält man beim Scannen von 30 Jahre alten Kodachrome-Dias Bilder, als wären sie erst gestern aufgenommen worden. Dabei sind 30 Jahre für einen Kodachrome Film noch gar nichts, er soll seine Farben bis zu 60 Jahren aufrecht halten.
Zum Film selbst. Böse Zungen sagen, dass der Kodachrome Film ein Schwarz-Weiß-Film ist, dem man mit Chemie noch etwas nachhelfen muss, damit er Farben wiedergeben kann. Was steckt dahinter? In der Tat ist der Kodachrome kein üblicher Farbfilm, sondern hat drei S/W-Schichten, die später zu rot, grün und blau werden. Die Farben enstehen erst im Entwicklungsprozess, also nicht gleich bei der Belichtung. Daher kann ein Kodachrome-Film auch nicht im Fotolabor um die Ecke entwickelt werden (normaler E6-Prozess), sondern muss an Kodak eingeschickt werden. Für die Entwicklung von Kodachrome-Filmen gibt es den speziellen K-14 Prozess.
Welche Vorteile hat dieser spezielle Entwicklungsprozess? Die Farben von Kodachrome-Bildern sind für alle Film-Sorten gleich, d.h. eine grüne Wiese, die mit einem Kodachrome 25 fotografiert wurde, hat die gleiche Farbe wie auf dem Bild eines Kodachrome 64. Bei diesem K14-Entwicklungsprozess taucht der Film in mehr als 30 Bäder, jeweils für eine fest vorgegebene Zeit. In jedem Bad diffundiert Farbstoff ganz langsam in den Film. Bei diesem Prozess können sehr stabile Farbstoffe verwendet werden, so dass die lange Farbtreue gewährleistet werden kann.
Wie erkennt man Kodachrome-Filme?
In Europa haben Kodachrome-Dias üblicherweise einen dünnen Papprahmen, auf dem ganz dick Kodachrome steht. So erhält man die Dias gerahmt zurück, wenn man sie direkt zu Kodak ins Labor schickt. In anderen Ländern wie den USA gibt es auch ungerahmte Kodachromes, die Rahmung blieb also dem Fotografen überlassen. Auch in Deutschland konnte man ungerahmte Kodachromes erhalten, indem man eine Ecke des Absenderfeldes des Einsendeumschlages abgeschnitten hat.
Ein Kodachrome-Dia erkennt man in der Regel an der Aufschrift auf der Unterseite des Filmes: Dort findet man Kürzel wie KM (Kodachrome 25), KR (Kodachrome 64) oder KL (Kodachrome 200), eventuell noch ein vorangestelltes P (Profi-Version). Eventuell findet man auch noch ein Kürzel für die Rahmung.
Aber auch ohne diese Codes lassen sich Kodachromes erkennen: Der Film hat ein signifikantes Relief auf seiner Schichtseite; dieses ist so markant als wäre es eingraviert worden. An den hellen Bildpartien ist der Film sehr dünn, an den dunkleren etwas dicker. Man kann den Film also auch ertasten, aber bitte nur mit Baumwoll-Handschuhen.
Ist Ektachrome gleich Kodachrome?
So mancher Fotograf hat die Blütezeit des Kodachrome-Filmes gar nie mitbekommen und weiß nicht einmal, was ein Kodachrome-Film überhaupt ist, stößt auf diese spezielle Filmsorte vielleicht zum ersten Mal, wenn er einen ähnlich klingenden Ektachrome-Film scannen möchte.
An dieser Stelle sei deutlich gesagt, dass Ektachrome nichts mit Kodachrome zu tun hat, auch wenn die beiden Begriffe ähnlich klingen. Ektachrome ist eine ganz normale Filmfamilie, die es in unterschiedlichen Schnelligkeiten (ISO 100, 200, 400...) gibt. Ein Ektachrome Film wird im ganz normalen E-6 Entwicklungsprozess entwickelt, so wie jeder andere Diafilm auch. Alles, was auf dieser Seite über Kodachrome-Filme geschrieben ist, gilt nicht für Ektachrome-Filme, das sind also zwei völlig verschiedene Paar Stiefel.
Gleiches gilt übrigens für andere ähnlich klingende Filme wie Agfachrome oder Fujichrome. Auch diese Filmsorten sind ganz normale Diafilme (E6-Entwicklungsprozess) und haben nichts mit Kodachrome-Filmen zu tun.
Scannen von Kodachrome-Filmen
Wie eingangs schon erwähnt, ist jeder Filmscanner, der normale Dias digitalisieren kann, auch in der Lage ein Kodachrome-Bild zu scannen. Das gescannte Bild macht einen jedoch nicht unbedingt glücklich und bedarf noch einiger Nacharbeit im Bildbearbeitungsprogramm. Die folgenden beiden Bilder zeigen eine Strandaufnahme, die mit einem Kodachrome-Film fotografiert wurde. Gescannt wurde das Dia mit einem Nikon Super Coolscan 5000 ED, einmal als ganz normales Positiv und einmal mit einer speziellen Einstellung für Kodachrome-Dias.
Scannt man ein Kodachrome-Dia mit einer normalen Positiv-Einstellung, so bekommt das Bild einen Blau-Stich, der das Auge wirklich quält. Während man die Farbe des Himmels und des Wassers mit Photoshop noch einigermaßen korrigieren kann, scheitert man kläglich daran, den Pflanzen ein natürliches grün zu verpassen. Es gibt Bilder, bei denen diese Effekte noch viel extremer sind als bei diesem ersten Beispiel. Um Kodachrome-Bilder in guter Qualität zu digitalisieren braucht man also bereits beim Scannen spezielle Einstellungen bzw. auf Kodachrome angepasste Farbprofile.
Kodachrome-Filme werden nicht nur wegen ihrer Schärfe und Detailgenauigkeit verwendet sondern auch wegen ihrer brillianten Farben und ihrer vielen Farbnuancen. Eine Eigenschaft von Kodachrome-Filmen ist, dass schwarz wirklich schwarz ist und nicht irgendetwas zwischen dunkelgrau und schwarz. Diascanner mit einem geringen Dichteumfang haben große Probleme mit schwarzen Bildpartien, bei denen die Schwarztöne auch noch stark differenziert sind. Um Kodachrome-Bilder in guter Qualität zu digitalisieren sollte der verwendete Dia-Scanner also einen möglichst hohen Dichteumfang haben.
Bei Scannern mit geringerem Dichteumfang kommt bei den dunklen Bildpartien natürlich schnell das Pixel-Rauschen zum Tragen, d.h. einzelne Pixel erscheinen nicht mehr schwarz sondern erhalten unangenehme Störfarben. Solchen Effekten kann man wirkungsvoll begegnen, indem man Mehrfachscans macht. Bei einem Vierfachscan z.B. wird ein Bild im Scanner gleich vier mal abgetastet. Aus dem vier Mal ermittelten digitalen Bildmaterial kann das Pixelrauschen ziemlich gut kompensiert werden.
Kodachrome-Scans mit ICE Staub- und Kratzerkorrektur
Hochwertige Film-Scanner zeichnen sich durch ein integriertes, hardwaremäßiges automatisches Staub- und Kratzerkorrekturverfahren aus. Die vielfach bewährte ICE-Technologie kommt in vielen Filmscannern zum Einsatz. Details zum ICE-Verfahren gibt es auf dieser Seite. Kurz zur Funktion des ICE-Verfahrens: Eine Infrarot-Lichtquelle tastet das eingelegte Dia zusätzlich ab und erkennt Staub und Kratzer anhand von Bergen und Tälern auf dem Film. Durch Staubpartikel geht ein Infrarotstrahl nicht durch.
ICE funktioniert bekanntlich nicht bei Schwarz-Weiß-Filmen. Nun habe ich eingangs beschrieben, dass ein Kodachrome-Film im Prinzip ein S/W-Film ist, der erst im Entwicklungsprozess seine Farbe bekommt. In der Tat beinhaltet der Kodachrome-Film ähnliche Stoffe (z.B. Silber), die auch in Schwarz/Weiß-Filmen vorkommen und für einen Infrarotstrahl undurchlässig sind. An solchen Partikeln scheitert das ICE-Verfahren.
Das Beispielbild in diesem Unterkapitel zeigt ein Kodachrome-Dia, das mit dem Nikon LS-5000 im Kodachrome-Modus bei eingeschaltetem ICE Staub- und Kratzerkorrekturverfahren eingescannt wurde. Auf den ersten Blick erscheint der Scan als gut und akzeptabel. Der Teufel
steckt jedoch im Detail, d.h. im Zoom. Das Schild einer kleinen Bar auf diesem Bild entdeckt man erst, wenn man das Originalbild (5780 x 3950 Pixel) auf 100%-Größe zoomt. Man erkennt deutlich, wie die eigentlich klare Schrift durch das ICE-Verfahren verwaschen wird. Der zweite Bildausschnitt ist auf dem Originalbild ganz rechts zu finden. Gezoomt ist das Geländer auf Originalgröße, d.h. ein Pixel am Bildschirm entspricht einem Pixel des Scans.
Auch bei diesem Zoom-Ausschnitt erkennt man, wie das Geländer vom ICE-Verfahren als Störung am blauen Himmel missinterpretiert und deshalb teilweise wegretouschiert wird. An dieser Stelle sei einmal das Auflösungs-Vermögen des Kodachrome-Filmes bemerkt! Man kann solche Fehler zu Tausenden finden, indem man den Scan auf 100% zoomt. Fairerweise sei bemerkt, dass man bei den ICE-Scans natürlich keine Härchen und Staubkörner wieder findet, die sich auf dem Filmmaterial befanden.
Abschließend möchte ich noch bemerken, dass die Unschärfe und die Verwischungen, die das ICE-Verfahren bei Kodachromes hervorruft, bei Weitem nicht so groß ist, wie dies bei Schwarz/Weiß-Bildern der Fall ist.
Scannen von Kodachromes mit Digital ICE Professional
Mit Erscheinen des neuen Nikon Super Coolscan 9000 ED im April 2004 kam zum ersten Mal ein neues ICE-Verfahren mit dem Zusatz Professional auf den Markt, welches speziell bei Kodachrome-Filmen für bessere Ergebnisse sorgen soll. Nach zahlreichen Kodachrome-Scans mit dem Nikon 9000 komme ich zum Schluss, dass mit Digital ICE Professional in der Tat Kodachromes sehr gut gescannt werden können. Das nachfolgende Beispiel soll die Unterschiede zum herkömmlichen ICE-Verfahren demonstrieren.
Die folgende Dreierserie mit gleichen Motiven zeigt den Bug eines kleinen Bootes; es handelt sich um den auf 100%-Größe gezoomten Ausschnitt aus einem Hafen-Panorama-Foto und eignet sich sehr gut, um die Unterschiede zwischen einem Scan ohne ICE, einem Scan mit herkömmlichem ICE und einem Scan mit ICE Professional zu zeigen. Dieses Bild wurde vor dem Scannen mit Druckluft gereinigt, so dass nur noch wenige Staubpartikel auf dem Bild waren. Deutlich erkennt man noch Schmutz und Staub auf dem ersten Bild, wenn man die weiße Fläche des eingefahrenen Segels betrachtet.
Auf dem zweiten Bild sind diese Schmutzpartikel auf dem Segel dank des ICE-Verfahrens verschwunden. Verschwunden ist jedoch noch viel mehr: Mehrere Querstreben an der Vorderseite haben sich scheinbar spurlos im Wasser aufgelöst. Der Griff auf der Luke im Vordergrund scheint seine seitlichen Befestigungen verloren zu haben. Und wenn man sich einmal die kleinen Wasserwellen im Detail betrachtet, dann erkennt man - wie im vorigen Kapitel beschrieben - dass einiges an Schärfe verloren gegangen ist.
Bild 3 zeigt schließlich den gleichen Bildausschnitt eines Scans, der mit dem Nikon 9000 bei eingeschaltetem Digital ICE Professional gemacht wurde. Man erkennt, dass die Staubpartikel wirkungsvoll entfernt wurden und dass wichtige Bilddetails dabei nicht auf der Strecke blieben, also ein durchaus zufriedenstellender Scan eines Kodachrome-Bildes.
Der ideale Filmscanner für Kodachrome-Filme
Die obigen Demos und Erläuterungen machen deutlich, dass man mit einem Billigscanner Kodachrome-Bilder besser nicht scannt. Was muss also ein Filmscanner alles können, um gute Ergebnisse bei Kodachrome-Dias zu liefern?
- Der Filmscanner sollte eine Auflösung von mindestens 3000 dpi haben, um die detaillierten Bildinformationen, die Kodachrome-Bilder haben, erfassen zu können.
- Die Scan-Software muss spezielle Einstellungen für Kodachrome-Bilder zur Verfügung haben. Diese Einstellungen müssen natürlich mit passenden Farbprofilen verknüpft sein.
- Der Dia-Scanner benötigt einen sehr hohen Dichteumfang, um die für Kodachrome-Bilder typischen kräftig schwarzen Partien differenzieren zu können.
- Der Filmscanner sollte die Möglichkeit bieten, Mehrfachscans durchzuführen, um das Pixelrauschen in den dunklen Bildpartien zu verringern.
- Hardwaremäßige Staubkorrekturverfahren wie ICE oder FARE dürfen bei Kodachrome-Bildern nicht eingeschaltet werden. Ausnahme: ICE Professional (Nikon 9000)
Derzeit ist demnach der Nikon Super Coolscan 9000 ED der einzige Filmscanner, der sich bestens zum Digitalisieren von Kodachrome-Bildern eignet.
Hinweis zu unserem Scan-Service
Wenn Sie uns Dias zum Digitalisieren in Auftrag geben, müssen Sie auf dem Auftragsformular ankreuzen, ob es sich um Positive, Negative oder Kodachromes handelt. Es ist daher notwendig, dass normale Positive und Kodachromes getrennt werden, auch wenn sich diese im gleichen Magazin befinden. Kodachromes können zwar in einer Serie von normalen Dias mitgescannt werden, es entstehen jedoch blaustichige Bilder wie das obige Demo zeigt.
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