Plustek Filmscanner OpticFilm 7200

Im Sommer 2004 überrascht Plustek die ganze Filmscanner-Welt mit einem neuen Gerät, das mit einer Auflösung von 7200 dpi jeden anderen konventionellen Diascanner in den Schatten stellt. Man würde sich nicht weiter wundern, wenn der OpticFilm 7200 in der obersten Preisklasse den etablierten Marken Konkurrenz machen würde, aber Plustek wirbelt mit diesem Scanner die unterste Preisklasse durcheinander, und das ist erstaunlich.


Der OpticFilm 7200 wurde im Dezember 2007 durch den Nachfolger Plustek OpticFilm 7300 ersetzt.

Plustek brachte also ein Gerät auf den Markt, das mit seinen technischen Daten in der Oberklasse mitzuhalten scheint, mit seinem Preis aber in der niedrigsten Preisliga mitspielt. Das Gerät ist zudem noch sehr gut ausgestattet was Filmhalter und Software betrifft. Ja sogar eine Aufbewahrungstasche ist im Standard-Lieferumfang enthalten. Außerdem soll das Gerät sehr schnell beim Scannen sein. Das klingt alles sehr vielversprechend; mein nachfolgender Testbericht aus dem Jahre 2004 soll zeigen, was der Optic-Film-7200 in der Praxis wirklich bringt.

Ausstattung, Zubehör und Leistungsdaten des Filmscanners

Mit dem Kauf eines Plustek OpticFilm 7200 erhält man ein Komplettpaket bestehend aus Scanner und Software, das man zum Digitalisieren seiner Kleinbild-Dias oder -Negative braucht. Der Filmscanner besticht durch ein kompaktes Design; mit den Abmessungen 272 x 118 x 120 (Breite x Höhe x Tiefe) nimmt er nicht viel Platz auf dem Schreibtisch ein und ist mit einem Gewicht von ca. 1,3 kg ein Leichtgewicht.

Zum Standard-Lieferumfang gehört ein Netzteil mit Anschlusskabel. Der Scanner wird über eine schnelle USB 2.0 Schnittstelle an den Rechner angeschlossen; ein USB-Kabel ist im Lieferumfang enthalten. Die Anforderungen an den PC sind sehr gering, so dass praktisch jeder PC für den Betrieb des Scanners in Frage kommt. An MAC-User hat Plustek jedoch nicht gedacht bzw. nicht denken wollen.

Der Plustek OpticFilm 7200 mit dem integrierten Diabetrachter auf der Oberseite

Zum Standard-Lieferumfang gehören zwei Filmhalter: einer für bis zu vier gerahmte KB-Dias und einer für bis zu sechs KB-Negative, die entweder einzeln oder am Streifen sein können. Damit ist aber kein Stapelbetrieb möglich, da der Scanner über keinen dafür notwendigen Transportmotor verfügt. Ferner gehört zum Lieferumfang eine Aufbewahrungstasche für den Scanner; Was soll denn das? Ein Filmscanner ist doch kein Gerät, das man wie ein Notebook mit sich auf Reisen nimmt. Und wer mit dem Scanner arbeitet hat diesen auf dem Schreibtisch stehen und baut ihn doch nicht ab, um ihn in einem schicken Täschchen im Schrank aufzubewahren. Da scheint mir Plustek ein kleines Stück Schnickschnack mitzuliefern, das der Kunde doch irgendwie bezahlt aber nicht braucht. Immerhin lässt sich die schwarze Tasche als Kosmetiktasche auf Reisen ganz gut missbrauchen.

Zum Scanner-Komplettpaket gehören zwei Software-Pakete, eines zum Scannen und eines zur anschließenden Bildbearbeitung und Bildarchivierung. Da hat sich Plustek nicht lumpen lassen: Als Scan-Software wird die SilverFast SE-Version ausgeliefert (nicht zu verwechseln mit der Ai-Version!) und für die Bildbearbeitung wird CorelDraw Essentials mit ausgeliefert. Das sind beides abgespeckte Software-Pakete von großen Software-Herstellern, die sehr gut sind.

Der Film-Scanner liefert - zumindest auf dem Datenblatt - eine sensationelle Auflösung von 7200 dpi. Bei einem KB-Dia oder -Negativ liefert ein Scan in der höchsten Auflösung somit 70 Megapixel Bilder. Damit spielt der OpticFilm7200 ja schon in der Liga der professionellen Trommelscanner mit. Ich kenne zwar keinen Kleinbild-Positiv- oder -Negativ-Film, der so feinkörnig ist, dass sich 7200dpi lohnen würden, aber eine kleinere Auflösung kann man ja jederzeit einschalten. Der Scanner gibt Bilddateien mit einer Farbtiefe von 24 oder 48 Bit aus; Ein Scan mit 7200 dpi liefert im unkomprimierten TIF-Format auf der Festplatte eine Datei von ca. 210 MByte, bei einer Farbtiefe von 48 Bit sogar von ca. 420 Megabyte Größe. Man braucht einen extrem schnellen Rechner mit sehr viel Hauptspeicher, um solche Bilder überhaupt verarbeiten zu können.

Leider hat der Plustek-Scanner kein automatisches Staub- und Kratzerkorrekturverfahren, aber das darf man in dieser Preisklasse auch nicht erwarten. Dafür gibt es noch ein kleines Fensterchen an der Scanner-Oberfläche, das zum schnellen Durchleuchten eines Dias dient; ein praktischer Diabetrachter im Scanner integriert - das kann nie schaden.

Plustek gibt in seinen technischen Daten übrigens noch eine maximale Auflösung von 24.000 dpi an, die durch Software-Interpolation erreicht wird. Ist Plustek größenwahnsinnig? Sind doch 7200 dpi schon phänomenal, so grenzen 24.000 dpi fast an Wahnsinn; zumal eine künstliche Aufblähung des Bildes durch Softwareinterpolation überhaupt keinen Sinn macht und genauso gut mit jedem Bild in einem Bildbearbeitungsprogramm durchgeführt werden kann; Also Vorsicht vor solch hohen Zahlen, nicht gleich sich blenden lassen!

Installation und Inbetriebnahme

Die Installation des Plustek OpticFilm 7200 ist unter Windows XP eine ganz einfache Sache: Scanner ans Netzteil anschließen und Scanner mit dem beigefügten USB-Kabel an eine freie USB-Buchse am Rechner anschließen. Der Scanner wird nach dem Einschalten automatisch erkannt und man wird aufgefordert Der Scanner mit eingelegtem Diahalter die Applications-CD einzulegen. Es folgt eine automatische Installation des Treibers sowie der Utility-Programme von Plustek. Jetzt erst kommt die Installation der eigentlichen Scan-Software SilverFast SE, die ebenso vorbildlich einfach abläuft. Wer jetzt noch Geduld hat, kann die mitgelieferte Software von Corel Draw installieren; das kann aber auch später erfolgen, denn die Neugier auf den ersten Scan ist jetzt groß.

Zur Freischaltung von SilverFast muss noch eine Seriennummer eingegeben werden, dann kann es losgehen. Die Installation unter WindowsXP verlief also vorbildlich einfach und schnell. Vorbildlich ist auch das beigefügte Benutzerhandbuch, das jedoch nur als PDF-File enthalten ist. Zum Schnellstart gibt es eine ausgedruckte Kurzanleitung in verschiedenen Sprachen. In der Online-Hilfe ist auch erklärt, wie man den Scanner auf anderen Betriebssystemen zum Laufen bringt, und es gibt auch Hilfe was zu tun ist, wenn der Scanner trotzdem nicht erkannt wird oder einfach nicht anspringen will.

Der erste Scan war bei mir schnell gemacht. Wer jedoch noch nie mit SilverFast gearbeitet hat, wird einige Zeit brauchen, bis er sich in der Vielfalt von Buttons, Schaltflächen und Menüs zurecht gefunden hat. SilverFast ist bekanntlich eine professionelle Scan-Software mit fast unzähligen Möglichkeiten; ein Anfänger braucht seine Zeit, bis er mit dieser mächtigen Software einigermaßen vertraut ist.

Beim zweiten Scan erhielt ich bereits die erste Fehlermeldung, nämlich dass der Scanner nicht bereit sei. Diese Fehlermeldung erhielt ich auch bei meinen folgenden Scans immer wieder. Die Lösung ist ganz einfach: Mehrere Male auf Scannen drücken, nach ein paar Mal funktioniert es dann schon. Woran dieser Fehler liegt habe ich nie herausgefunden. Vielleicht löst ein Software-Update dieses Problem eines Tages.

Scannen von gerahmten Kleinbild-Dias

Zum Scannen von KB-Dias ist ein Diahalter im Serienumfang des Scanners enthalten. Diese Diahalterung besteht aus 4 Slots, in die jeweils ein gerahmtes Dia eingelegt werden kann. Es gibt ja zahlreiche unterschiedliche Diarahmen, jeder hat gewisse Vor- und Nachteile, viele ähneln einander sehr. Plustek hat einen ganz neuen Diarahmen konstruiert, der außer dem Aufnehmen von gerahmten KB-Dias noch die Funktion der korrekten Positioniermöglichkeit im Scanner wahrnehmen muss, aber dazu später.

Der Diahalter: Deutlich zu sehen sind die Federn, die beim Einlegen von Dias zusammengedrückt werden.

Das Einlegen eines Dias in den Diahalter ist eine einfache Angelegenheit: Man setzt ein Dia einfach an der linken Seite eines Slots an und drückt die Feder zusammen. Dann lässt sich das Dia einfach hinunterdrücken, so dass es fest einrastet. Man muss freilich aufpassen, dass man beim gleichzeitigen Andrücken der Feder und Hinunterschieben des Dias nicht abrutscht; einmal bin ich dabei abgerutscht und habe voll auf den Film gegriffen - wie gut dass es nur ein Testdia war. Bei einem wertvollen Dia ist so ein Abrutscher aber eine ärgerliche Sache. Um sicherzugehen, dass man beim Einlegen oder Herausnehmen nicht aus Versehen ein Dia zerstört, empfehle ich das Tragen von Baumwoll-Handschuhen.

Die Filmhalter-Konstruktion mit den Federn ist gelungen, zumal das Dia im eingelegten Zustand auf zwei Seiten von kleinen Halterungen gut fixiert wird. Wie lange die Federn im Dauerbetrieb halten vermag ich nicht zu beurteilen. Bei sehr dicken glasgerahmten Dias versagen diese zusätzlichen Fixierungen, aber die Feder lässt sich so weit zusammendrücken, dass dicke Dias dennoch in den Filmhalter eingelegt werden können. Dass sich die Federn über eine solche Zwangsmaßnahme nicht erfreuen ist klar.

Den Diahalter schiebt man dann entweder von links oder von rechts in den Scanner ein. Der Scanner hat keinen automatischen Filmhalter-Einzug, so dass man den Diahalter selbst exakt positionieren muss ohne zu sehen wo genau die richtige Position ist. Dabei helfen einem einige Nuten am Diahalter, die beim Einschieben leicht einrasten. Auf diese Weise gelingt es, ein Bild des Diahalters über dem CCD-Sensor richtig zu positionieren. Sehr gut gelöst ist der Schutz des Scanners vor Staub: Zwei Klappen links und rechts des Scanners fallen automatisch zu, wenn kein Filmhalter eingelegt ist bzw. wenn der Filmhalter nur auf einer Seite herausragt.

Das Scannen erfolgt nach bewährtem Schema: Vorschau erstellen, Einstellungen machen und Hauptscan durchführen. Ein Diarahmen mit Einschüben für 4 Dias mag einen Stapelbetrieb suggerieren. Dem ist jedoch nicht so! Man muss jedes Dia einzeln scannen und auch den Dateinamen jeweils einzeln vergeben. An dieser Stelle besteht noch Verbesserungspotential.

Vorgang Dauer
Vorschau 0:25 min
Scan mit 2000 dpi Auflösung 1:05 min
Scan mit 3600 dpi Auflösung 1:15 min
Scan mit 4000 dpi Auflösung 4:05 min
Scan mit 7200 dpi Auflösung 4:25 min

Plustek lobt den OpticFilm 7200 als schnellen Scanner. Mit einer Vorschauzeit von knapp einer halben Minute und einer Feinscanzeit von etwas über einer Minute bei 3600 dpi Auflösung liegt der Filmscanner eher im Mittelfeld der Filmscanner. Die Scanzeit wächst explosionsartig, sobald man eine höhere Auflösung als 3600 dpi einstellt.

Seltsamerweise ist es mir nie gelungen einen echten 4000 dpi Scan zu machen, der mich zum Vergleich mit anderen Filmscannern interessiert hätte. Wenn ich 4000 dpi eingestellt habe, erhielt ich immer eine Bilddatei mit über 6000 dpi. Daher ruehrt wohl auch die extrem hohe Scanzeit bei 4000 dpi Auflösung. Da hat wohl die Scan-Software einen Bug, der noch gefixt werden muss.

Insgesamt lässt sich sagen, dass das Scannen von gerahmten Dias mit dem Plustek OpticFilm7200 auf akzeptable Weise vonstatten geht; Große Mengen an Dias sollte man jedoch nicht im Archiv haben, denn das Einzelscannen ist sehr zeitaufwändig; da vermisse sehr ich einen automatischen Filmhaltertransport.

Scannen von Kleinbild-Filmstreifen

Zum Scannen von KB-Negativstreifen oder Positivstreifen ist ein Filmstreifenhalter im Serienumfang des Scanners enthalten, in den man einen Streifen bis zu 6 Bildern Länge einlegen kann. Selbstverständlich können auch zwei kleinere Streifen hintereinander oder 6 lose Bilder nebeneinander in den Filmhalter eingelegt werden.

Der Filmhalter ist aufklappbar; beim ersten Öffnen muss man aufpassen, dass man die Verschlussklappe nicht abreißt, denn leider lässt sich der Filmhalter nicht ganz (180) öffnen, sondern nur halb (ca. 110) aufklappen. Somit steht beim Einlegen eines Filmstreifens immer die Verschlussklappe im Weg und man läuft Gefahr diese zu weit aufzudrücken, so dass die Scharniere brechen.

Der Filmstreifenhalter im zugeklappten Zustand

Den Filmstreifen legt man bequem auf den Halter, wobei jeweils an der Oberseite und an der Unterseite sechs kleine Fixierungen vorhanden sind, so dass man den Negativstreifen sicher positionieren kann. Horizontal verschiebt man den Filmstreifen so dass die einzelnen Bilder exakt zwischen den Haltestegen befinden. Diese sind erfreulicherweise so schmal, dass man nicht zwangsläufig Teile vom Bild abschneiden muss. Während man das Einlegen eines Filmstreifens noch vorsichtig mit der Hand bewerkstelligen kann, braucht man zum Herausnehmen eine Pinzette mit abgerundeten Schaufeln, da man sonst zu leicht den Film berührt und somit seine Spuren hinterlässt.

Mit normalen Filmstreifen und Einzelbildern kommt der Filmstreifenhalter sehr gut zurecht. Schwierig bis unmöglich wird das Einlegen von gewölbten oder gewellten Streifen, da es keine Fixierungen gibt, in die der Filmstreifen eingespannt werden kann. Da gibt es deutlich bessere Filmstreifenhalter. So bleibt bei gewölbten Negativstreifen nichts anderes übrig, als den Streifen irgendwie in den Halter hineinzupfriemeln und ihn dann beim Verschließen der Filmhalter-Klappe irgendwie richtig zu positionieren - eine mühselige Angelegenheit.

Das Einführen des Filmstreifen-Halters in den Scanner funktioniert analog zum Diarahmenhalter. Man muss selbst dafür sorgen, dass das richtige Bild an der richtigen Stelle im Scanner steht; dazu helfen die Nuten an der Unterseite des Filmstrip-Holders. Der Filmstreifenhalter kann zwar bis zu 6 Positive oder Negative aufnehmen, aber jedes Bild muss einzeln gescannt werden. Einen Stapelmodus gibt es nicht, da der Scanner keinen automatischen Transportmotor für den Halter besitzt.

Vorgang Dauer
Vorschau 0:25 min
Scan mit 2000 dpi Auflösung 1:07 min
Scan mit 3600 dpi Auflösung 1:10 min
Scan mit 4000 dpi Auflösung 4:20 min
Scan mit 7200 dpi Auflösung 4:35 min

Die Scan-Zeiten sind ähnlich zu denen bei gerahmten Dias. Das ist erstaunlich, denn bei den meisten Filmscannern dauert das Scannen von Negativen erheblich länger als das Scannen von Positiven. Auch bei Negativstreifen ist es mir nicht gelungen, einen echten 4000 dpi Scan zu machen. Irgendwie scheint der Scanner oder die Software Schwierigkeiten mit Auflösungen zwischen der Nennauflösung von 7200 dpi und der halben Nennauflösung von 3600 dpi zu haben. Aus meinem 4000 dpi Scan wurde eine Art 6500 dpi Scan, daher wohl auch die extrem lange Scanzeit.

Insgesamt lässt sich sagen, dass das Scannen von Negativen nicht so angenehm wie das Scannen von gerahmten Dias ist. Der Filmstreifenhalter hat die Schwächen, dass er sich nicht ganz aufklappen lässt und dass es keine Möglichkeit gibt, leicht gewellte, gewölbte oder gerollte Filmstreifen zu fixieren.

Die mitgelieferte Software

Plustek liefert den OpticFilm 7200 mit einem hervorragenden Software-Paket aus. Als Scan-Software erhält man die SE-Version von SilverFast (nicht zu verwechseln mit der Ai-Version). SilverFast SE ist eine sehr gute und umfangreiche Scan-Software, die zwar den Anfänger zunächst etwas erschreckt wegen der vielen Buttons und Einstellmöglichkeiten, aber im Laufe des Umganges mit der Software lernt man die Stärken von SilverFast kennen.

Als Software erhält man außerdem die Essentials-Version von CorelDRAW sowie zahlreiche Utilities von Plustek. Mehr Software kann man bei einem Filmscanner in dieser Preisklasse kaum bekommen. Das ist wirklich lobenswert und stattet einen Neuling im Bereich des Scannens und der Bildbearbeitung mit einem kompletten sehr guten Software-Paket aus. Ein dickes Lob also für die im Serienumfang enthaltene Software.

Bildqualität

Bei der Beurteilung der Bildqualität des Plustek OpticFilm 7200 möchte ich gleich mit einem Auflösungstest beginnen, denn die sensationelle optische Auflösung von 7200 dpi ist schließlich das, was diesen Scanner auszeichnet und von vielen Konkurrenzmodellen abhebt. Anschließend gehe ich auf die Bildqualität beim Scannen von Positiven und Negativen ein.

Der spannendste Augenblick beim Test des Plustek OpticFilm 7200 war für mich selbstverständlich der Auflösungstest mit einem USAF-1951 Testtarget. Dass der OpticFilm keine 7200 dpi bringen würde habe ich erwartet. Die Frage war eigentlich nur, um wieviel er die Quasi-Standard-Auflösung vieler Scanner von 4000 dpi oder gar die 5400 dpi des Minolta DiMAGE Scan Elite 5400 schlagen würde.

Ein Auflösungstest ergibt beim Plustek OpticFilm 7200 eine effektive Auflösung von 2900 dpi.

Bei der Analyse des USAF1951-Scans traute ich jedoch meinen Augen nicht, was ich da sah. Mit viel gutem Willen kann man noch das Element 5.6 erkennen, wobei man gestehen muss, dass sich bei diesem Element die schwarzen Balken vom Hintergrund nicht mehr eindeutig differenzieren lassen wie beim vorigen Element 5.5. Dem Element 5.6 entspricht jedoch gerademal eine Auflösung von 2900 dpi; das sind ja nicht einmal 50% der Nennauflösung.

Dieses Ergebnis kam mir so seltsam vor, dass ich mehrere Male das USAF-1951 Testtarget scannte, ja sogar einmal mit der maximalen interpolierten Scanner-Auflösung von 24.000 dpi. Auch das Scannen eines zweiten, neuen USAF-Test-Targets brachte kein anderes Ergebnis. Somit komme ich auf einen Messwert von 2900 dpi. Das ist natürlich sehr enttäuschend, nicht nur weil er meilenweit von der optischen Nennauflösung von 7200 dpi entfernt ist, sondern weil die meisten Filmscanner, die bescheidene 3600 dpi oder 4000 dpi angeben, effektiv mehr bringen als der Optic-Film 7200.

Nun reichen aber 2900 dpi für die meisten Kleinbild-Filme völlig aus; dass man für einen normalen Kleinbild-Scan keine 7200 dpi braucht, habe ich schon in der Einleitung dieser Seite erwähnt. Allerdings entpuppt sich die Mammutauflösung letztendlich als großer Nachteil des OpticFilm 7200: Um nämlich effektiv einen 2900 dpi-Scan zu erhalten muss man mit 7200 dpi scannen. Die Scan-Zeiten sind bei dieser Auflösung inakzeptabel und die resultierenden Dateien auf der Festplatte sind so groß, dass man schon einen Hochleistungs-PC braucht, um diese in einem Bildbearbeitungsprogramm mit einem akzeptablen Zeitaufwand zu bearbeiten. Schließlich erhält man in der höchsten Auflösung Bilddateien von über 200 MB Größe, die aber effektiv nur 40-50 MB an Bildinformation enthalten. Solche gigantischen Bilddateien kosten einerseits viel Platz auf der Harddisk und andererseits viel Rechenzeit bei der Bildbearbeitung bzw. Bildbetrachtung.

Der Plustek OpticFilm 7200, der als wahres Auflösungswunder auf den Markt kam, verpufft also völlig bei der effektiven optischen Auflösung. Ich bin gespannt, was Computer- und Fotofachzeitschriften für Auflösungen bei diesem Filmscanner messen.

Beim Scannen von Dias ist mir zunächst aufgefallen, dass die Farben gut wiedergegeben werden. Da hat mit Sicherheit SilverFast einen wesentlichen Anteil; schließlich gibt es viele preisgünstigen Filmscanner, die erst durch den Einsatz einer professionellen Scan-Software zu guten Bildergebnissen Scan mit dem Nikon Super Coolscan 5000 ED Scan mit dem Plustek OpticFilm 7200: Die Wolke verliert jegliche Kontur kommen. Analyisiert man jedoch einzelne Bilder genauer, so erkennt man sehr schnell die Grenzen des OpticFilm 7200: Dies liegen in sehr hellen und sehr dunklen Partien.

Der Grund dafür liegt im sogenannten Dichteumfang des Scanners. Die meisten preisgünstigen Filmscanner haben eine niedrige maximale Dichte, so dass in dunklen Bildpartien kaum Zeichnung vorhanden ist und man eine einheitliche schwarze Fläche anstatt feiner Schwarz-Abstufungen erhält. Dies lässt sich auch mit dem OpticFilm 7200 leicht nachvollziehen, indem man ein Astro-Dia einscannt, wo nahezu das ganze Bild dunkel ist und nur durch einige Sterne aufgehellt wird. Bei der Bildbearbeitung eines solchen Scans merkt man deutlich, wie wenig Bildinformation in der Scan-Datei steckt; da ist kaum noch etwas Sinnvolles zu machen.

Der Plustek OpticFilm 7200 leidet jedoch nicht nur an einer zu geringen Maximaldichte sondern auch an einer zu hohen Minimaldichte, und das ist für viele Amateurfotografen viel schlimmer. Eine zu hohe Minimaldichte bedeutet, dass helle Farbtöne nicht sauber differenziert werden können. Als Beispiel habe ich den Scan eines Hauses mit einer hellen Cumulus-Wolke darüber beigefügt. Beim Plustek-Filmscanner verliert man jegliche Zeichnung in der Wolke; die an sich weiße bis sehr hellgraue Wolke erscheint nahezu in einem einheitlichen Weiß. Man erhält den Eindruck als wäre die Wolke nachträglich mit einem Pinsel einfach in das Bild gemalt worden. Hier ist also wirklich viel Bildinformation verloren gegangen; Noch krasser wird der Effekt der zu hohen Minimaldichte, wenn man winterliche Bergfotos scannt.

Der viel zu geringe Dichteumfang wirkt sich natürlich genauso beim Scannen von Negativen aus. Bei meinen ersten Negativ-Scans erhielt ich fürchterliche Ergebnisse; von Farbtreue war da keine Spur mehr, ich erhielt völlig irrationale Bilder, die mit der Wirklichkeit nichts mehr zu tun hatten. Bei Negativen half mir jedoch SilverFast aus der Patsche, denn die Scansoftware hat für eine große Anzahl an Negativfilmen feste Profile zum Auswählen gespeichert. Dazu muss man sich freilich die Mühe machen, die verwendete Filmmarke sowie den Filmtyp herauszufinden und eine entsprechende Einstellung vorzunehmen. Dieser Aufwand macht sich bezahlt, denn die Bildqualität bei Negativ-Scans wird durch diese Einstellung erheblich verbessert.

Wenn ich bei Farbnegativen die Filmtyp-Einstellungen für jeden Filmstreifen individuell einstellte, erhielt ich eine gleich gute Bildqualität wie bei Positiven. Das ist erstaunlich, denn die meisten Filmscanner liefern bei Dias viel bessere Bilder als bei Negativen. Die Mängel infolge des zu geringen Dichteumfanges sind jedoch durch eine Filmtyp-Einstellung nicht korrigierbar, das liegt in der Scanner-Hardware begründet, da kann keine Software was ausrichten.

Insgesamt mag ich sagen, dass die Bildqualität für ein durchschnittliches Personenfoto gerade noch ausreichend ist. Sobald ein Bild dunkle (Nachtaufnahmen, Aufnahmen im Wald) oder helle Partien (Himmel, Wolken, Strand) hat, wird die erreichte Scanqualität jedoch inakzeptabel.

Scan-Geschwindigkeit

Die Scanzeiten in den obigen Tabellen habe ich bei Anschluss des Scanners an die USB 2.0 Schnittstelle eines 3 Gigahertz-PCs mit 2 Gigabyte Hauptspeicher ermittelt. Wie nicht anders zu erwarten war steigt die Scanzeit mit der Auflösung an. Sobald man über die halbe Nennauflösung von 3600 dpi hinausgeht wächst die Scanzeit explosionsartig. Das dürfte daran liegen, dass ich keine Auflösung zwischen 3600 und 7200 dpi effektiv zum Scannen verwenden konnte. Da hat die Scansoftware immer eigenwillig eine Auflösung über 6000 dpi gewählt.

Die Scan-Zeit erhöht sich je mehr Einstellungen man in der SilverFast-Software durchführt. Zum Beispiel erhöht das horizontale Spiegeln eines Bildes die Scanzeit um 5-10 Sekunden (je nach Auflösung).

Die Scanzeit für einen 7200 dpi Scan ist sehr hoch, vor allem wenn man bedenkt, dass man immer nur ein Bild auf einmal scannen kann und dann wieder an den Rechner zum Wechseln muss. Nun würde ja ein 3600 dpi Scan völlig ausreichen und die Scandauer wäre akzeptabel. Aber man ist ja quasi gezwungen stets in der höchsten Auflösung zu scannen, um effektiv 2900 dpi zu bekommen, und angesichts dessen ist der OpticFilm 7200 ein sehr langsamer Scanner.

Zusammenfassung, Fazit

Der Plustek OpticFilm 7200 besticht durch seine sehr gute Software-Ausstattung, seine kompakte Bauweise und seinen integrierten Diabetrachter. Stark negativ anzumerken ist die schlechte Bildqualität infolge des zu geringen Dichteumfanges sowie die viel zu niedrige effektive Auflösung. Da der Scanner über keinen automatischen Filmtransport/-einzug verfügt muss man jedes Bild einzeln scannen; dieser Filmscanner ist also ein Gerät für kleinere Bildarchive.

Der OpticFilm 7200 hält leider nicht, was die Technischen Daten versprechen. Dieser Filmscanner wirbelt also keineswegs die höheren Preisklassen auf, was ich zunächst erwartet hätte. Das Konkurrenzmodell Reflecta I-Scan 3600 liefert viel bessere Scans und liegt in der gleichen Preisklasse wie der Plustek.

Von mir gibt's demzufolge keine Empfehlung für den Plustek OpticFilm 7200.

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