Hasselblad Flextight X5
Die schwedische Firma Hasselblad ist bekannt für Ihre professionellen Mittelformat-Kamerasysteme. Viele Profis haben eine, alle wollen eine - die Hasselblad Mittelformatkameras sind Statussymbol und professionelles Werkzeug in einem.
Als Hersteller von digitalen High-End Systemkameras mit tiefreichenden Wurzeln im Bereich der analogen Fotografie ist Hasselblad beiden Welten der Fotografie verpflichtet - der analogen und der digitalen. Somit ist es kein Wunder, dass die schwedische Firma auch professionelle High-End Scanner anbietet, mit deren Hilfe analoge Fotografien in bester Qualität in die digitale Welt übertragen werden können.
Bei den Flextight Scannern handelt es sich um Geräte, die für die professionelle Nutzung ausgelegt sind. Preislich liegen sie in einem Bereich, der sie für die meisten Heimanwender unerschwinglich macht. Dafür sollen sie aber auch eine Bildqualität liefern, die mit Consumer-Geräten nicht erzielbar ist.
Die Flextight-Scanner machen sich einen Effekt zu nutze, der auch bei Trommelscannern für eine perfekte Planlage der Vorlagen sorgt: Durch die Konstruktion als sogenannte virtuelle Trommelscanner werden die Vorlagen in den flexiblen Filmhaltern zum Scannen in einen Radius gebogen, und so um den Sensor herum geführt. Dadurch stehen die Vorlagen unter Spannung, wodurch eine perfekte Planlage erzielt wird. Das bei glaslosen Scans bekannte Problem mit Unschärfen zu den Bildrändern hin, die aufgrund von gewölbtem Filmmaterial entsteht, scheint somit erfolgreich gelöst.
Diese Konstruktion in Verbindung mit den vom Hersteller genannten technischen Daten lassen auf hervorragende Bildqualität hoffen. Was der Flextight X5, das Topmodell der zwei Scanner umfassenden Modellreihe, tatsächlich zu leisten vermag, werden wir in diesem Testbericht klären.
Ausstattung, Zubehör und Leistungsdaten des Flextight X5
Der Hasselblad Flextight X5 wird in einem großen Versandkarton ausgeliefert, in dem das Gerät und sämtliches Zubehör gut gepolstert verstaut ist. Wer das Gerät nicht kennt, ist zunächsteinmal überrascht ob der schieren Größe: Der Scanner hat die Maße 39x65x23 cm (BxHxT), ist also in die Höhe gebaut. Somit konnte das gesamte optische System senkrecht aufgebaut werden, wobei der CCD Sensor nach unten gerichtet ist. Das verringert deutlich die Gefahr, dass sich Staubpartikel auf der Sensoroberfläche festsetzen.
Mit etwa 20,5 Kilogramm ist der Flextight X5 auch nicht gerade ein Leichtgewicht. Damit steht das Gerät dann aber auch bombenfest auf dem Tisch, was bei der Hochkannt-Ausrichtung auch sehr wichtig ist, da die ganze Konstruktion sonst zu wackelig wäre.
Im Karton befinden sich weiterhin das Netzteil, ein Firewire-Kabel, je ein Filmhalter für 35mm-Einzelbilder im Quer- und Hochformat, für 6x6 bzw. 6x4,5 Mittelformat-Einzelbilder und für 4x5" Großformat Planfilme, ein Aufsichtvorlagen-Halter für Papiervorlagen bis zur Größe Din A4 inklusive Abdeckfolien und einer Weiß-Kalibrierungs-Karte, ein Fokus-Kalibrierungs-Dia, sowie zwei DVDs mit der Scansoftware, der Bedienungsanleitung in mehreren Sprachen und einem Video-Tutorial. Die Filmhalter sind schön verpackt in einer aufklappbaren Aufbewahrungsbox im Schuber, worin sie sicher und staubgeschützt aufbewahrt werden können. Auch der Halter für Aufsichtvorlagen befindet sich zusammen mit den Abdeckfolien und der Weiß-Kalibrierungs-Karte in einem mit Klett verschließbaren Aufbewahrungskarton.
Alle Filmhalter sind mit einem Strichcode ausgestattet, der beim Einlegen in den Scanner ausgelesen wird, wodurch der Software eine automatische Maskenerkennung ermöglicht wird. Dadurch muss man nicht manuell den entsprechenden Filmhalter auswählen, und läuft somit nicht Gefahr, dass bei einer falschen Einstellung ein Filmhalter, der kürzer als der eingestellte ist, zu weit in den Scanner gezogen wird und deshalb komplett ins Gehäuse fällt. Das wäre zwar nicht allzu tragisch, da sich das Gehäuse durch das Lösen weniger Schrauben an der Unterseite öffnen lässt, und man so wieder an den "eingesaugten" Filmhalter herankommen kann, aber nervig wäre diese Angelegenheit doch.
Die Ausstattung ist also komplett und dem professionellen Einsatz angepasst: Im Gegensatz zu vielen Consumer-Geräten liegt dem Flextight X5 keine weitere Software wie etwa ein Bildverwaltungsprogramm bei. Der anvisierte Käuferkreis ist diesbezüglich mit allem Nötigen ausgestattet, und würde mit dem in der Regel geringen Funktionsumfang solcher Programme auch nicht glücklich werden.
Hasselblad bietet für den Flextight X5 eine breit Palette an optionalem Zubehör an: Angefangen bei vorgefertigten Filmhaltern für alle gängigen Formate, über nach Kundenwunsch speziell gefertigte Filmhalter, einem Feeder zur Stapelverarbeitung mehrere Filmhalter bis hin zu einem Feeder für gerahmte Kleinbilddias ist alles erdenkliche Zubehör für den Scanner verfügbar.
Die technischen Daten sprechen eine deutliche Sprache: Eine maximale Auflösung von 8000ppi bei Kleinbildvorlagen, 16 Bit interne Farbtiefe und eine Maximaldichte Dmax von 4,9 lassen auf eine überragende Bildqualität hoffen. Konstruktionsmerkmale wie ein außenliegendes Netzteil, eine Kaltkathodenleuchtröhre und eine zusätzliche aktive Kühlung des CCD-Sensors sorgen dabei für eine größtmögliche Reduzierung von wärmebedingtem Bildrauschen. Desweiteren ist der Flextight X5 mit einem Lichtkondensor ausgestattet, der das Licht der Kaltkathodenleuchtröhre streut, so dass kleinste Staubpartikel in den Scans nicht erscheinen, was das nachträgliche Ausflecken sehr vereinfacht. Das ist aber auch dringend nötig, denn über eine hardwarebasierte Staub- und Kratzerkorrektur mittels Infrarot-Technik (ICE) verfügt der Scanner leider nicht. Der Autofokus ermöglicht eine präzise Fokussierung auf die Vorlagenebene. In Kombination mit der virtuellen Trommeltechnik sollten Scans möglich sein, die professionellen Ansprüchen genügen.
Der Scanner kann nicht nur Dursichtvorlagen bis zu einer Größe von 100x245 mm digitalisieren, sondern bietet auch die Möglichkeit von Auflichtscans. Die maximale Vorlagengröße liegt hier bei Din A4, also 210x297 mm.
Die Scansoftware FlexColor bietet die Möglichkeit sogenannte 3F-Scans zu erzeugen: Dabei handelt es sich um ein Rohdaten-Format (Flexible File Format), das, ähnlich wie die RAW-Daten einer Digitalkamera, die Daten der vom Sensor erfassten Informationen ohne jegliche Bearbeitung durch die Algorithmen der Scansoftware enthält. Das heißt, dass sämtliche Einstellungen, die man bei einem gewöhnlichen TIF-Workflow schon beim Scanvorgang vornehmen muß, nachträglich ohne Qualitätsverlust vorgenommen werden können. Dabei werden die beim Scanvorgang oder nachträglich vorgenommenen Einstellung nicht direkt in die Bilddatei geschrieben, sondern als Metadaten gespeichert. Wenn sie also nachträgliche Einstellungen vornehmen, und das Bild das nächste mal wieder über FlexColor aufrufen, werden alle Einstellungen wieder abgerufen, und können dann beliebig verändert werden, so dass die neuen Einstellungen wieder direkt auf den Rohscan, also ohne weiteren Qualitätsverlust angewandt werden.
Installation und Inbetriebnahme des Flextight X5
Die Installation des Hasselblad Flextight X5 ist eine einfache Angelegenheit. Wir beschreiben im Folgenden die Installation auf einem Windows PC. Die Installation auf einem Apple Macintosh verläuft aber genauso einfach.
Zunächst installiert man die Treibersoftware. Dazu muss man nur die DVD einlegen und den Bildschirmanweisungen folgen. Sobald die Installation der Software abgeschlossen ist, kann der Scanner über das Netzteil an das Stromnetz und per Firewire an den Rechner angeschlossen werden - über einen USB-Port verfügt das Gerät nicht. Sofort nach dem Einschalten des Scanners meldet das Betriebssystem, dass eine neue Hardware gefunden wurde, woraufhin man das Betriebssystem automatisch nach dem Treiber suchen lässt. Kurz darauf ist die Installation komplett, und man kann den Scanner in Betrieb nehmen.
Bevor man mit dem Scannen richtig loslegt, sollte man mit Hilfe des mitgelieferten Kalibrierungs-Dias die Fokussierung des Scanners kalibrieren. Somit wird eine absolut genaue Fokussierung gewährleistet. Die Daten der Kalibrierung werden auf dem Rechner gespeichert, an dem sie durchgeführt wurde. Wenn man den Scanner also an einen anderen Rechner anschließt, sollte man auch da die Kalibrierung durchführen. Dazu legt man das Kalibrierungs-Dia im 6x6 Mittelformat-Halter in den Scanner ein, und aktiviert im Wartungs-Menü von FlexColor die Fokuskalibrierung, welche daraufhin vollautomatisch innerhalb weniger Minuten abläuft.
Die Installation und Inbetriebnahme des Hasselblad Flextight X5 ist also eine ganz einfache Sache, und läuft nicht anders ab, als bei den meisten anderen Firewire-Geräten.
Scannen von Dursichtvorlagen mit dem Flextight X5
Zum Laden des Filmhalters nutzt man am besten die beleuchtete Zuführung am Scanner. Diese besteht aus einer Klappe, die sich zum Betrieb des Scanners nach unten klappen lässt, und im geschlossenen Zustand als Abdeckung fungiert. In der Klappe befindet sich eine Leuchtfläche, die mit einem Kreuzraster versehen ist.
Zum Laden des Filmhalters legt man diesen also auf die Zuführung und schiebt ihn so weit nach hinten, bis er magnetisch einrastet. Nun kann man mit einer Hand den Deckel des Filmhalters nach oben klappen, während man mit der anderen Hand das Filmmaterial positioniert. Das Kreuzraster auf der Leuchtfläche hilft dabei, das Motiv auszurichten. Nun muss man die Vorlage am unteren Ende mit der Hand fixieren, während man mit der anderen den Deckel sukzessive nach unten klappt. Sobald der obere Teil der Vorlage durch den Deckel gehalten wird, kann man die Vorlage loslassen und den Deckel ganz nach unten klappen.
Natürlich kann man den Filmhalter auch außerhalb der Zuführung am Scanner laden, z.B. auf einer Leuchtplatte. Hierbei muss man dann allerdings aufpassen, dass man die Deckplatte nicht zu weit nach hinten biegt, da man sonst Gefahr läuft, sie abzuknicken. Alles in allem funktioniert das Laden des Filmhalters recht einfach und bequem. Lediglich am Anfang kann die Handhabung etwas gewöhnungsbedürftig sein, da man wie gesagt mit einer Hand die Deckplatte halten und mit der anderen Hand die Vorlage positionieren und fixieren muß.
Hasselblad bietet eine sehr große Zahl an Filmhaltern für die unterschiedlichsten Formate an. Für alle gängigen Standardformate können Filmhalter erworben werden. Und selbst wenn man für eine spezielle Anwendung keinen passenden Filmhalter finden kann, bietet Hasselblad den Flextight-Nutzern an, sich Masken nach eigenen Angaben fertigen zu lassen.
Standardmäßig wird der Flextight X5 mit drei Filmhaltern ausgeliefert:
Der Filmhalter für Einzelbilder im Kleinbildformat bietet jeweils eine Aussparung für ein Bild im Querformat und eine für ein Bild im Hochformat. Natürlich kann man das Bild auch in der Scansoftware drehen. Allerdings liegt der Unterschied nicht nur in der Ausrichtung der Vorlagen. Ein in die Hochformat-Aussparung eingelegtes Bild kann mit einer höheren Auflösung (max. 8000ppi) gescannt werden, als ein in die Querformat-Aussparung eingelegtes Bild (max. 5000ppi). Ebenso stehen für alle Formate eigene Maximalauflösungen zur Verfügung - je breiter die Vorlage, desto geringer die maximale Scanauflösung. Der Grund liegt im Aufbau des optischen Systems des Scanners.
Nun kann man einen Vorschauscan machen, und alle gewünschten Einstellungen vornehmen. Ein Klick auf den Scan-Button startet dann den Feincan mit den vorgenommenen Einstellung. Die Vorgehensweise beim Scannen unterscheidet sich also nicht von anderen Scannern, und jeder, der schonmal mit einem Filmscanner gearbeitet hat, kommt auch mit dem Flextight X5 und der FlexColor-Software zurecht.
Scannen von Aufsichtvorlagen mit dem Flextight X5
Als Topmodell der Flextight-Reihe bietet der Flextight X5 auch die Möglichkeit Aufsichtvorlagen zu digitalisieren, und zwar bis zu einer Größe von 210x297 mm (Din A4). Dieses Feature ist unserer Meinung nach allerdings nur als nette Dreingabe zu betrachten, denn Auflichtscans lassen sich mit dem X5 nicht gerade komfortabel anfertigen.
Auch hierfür wird ein flexibler Vorlagenhalter benötigt. Dieser besteht aus einer Grundplatte aus Stahl, die auf der Seite, auf der die Vorlagen platziert werden, mit einer mattschwarzen Gummibeschichtung versehen ist, so dass die Vorlagen vor Verrutschen gesichert sind. Als Hilfe zum Ausrichten der Vorlagen sind hier mehrere gestrichelte Linien angebracht. Nachdem man die Vorlage(n) platziert hat, kommt eine klare Abdeckfolie darüber. Diese ist an den vier Ecken mit Lochungen versehen, die genau auf die Metallstifte an der Grundplatte passen. Die Abdeckfolie ist nötig, damit die Vorlagen beim Biegen während des Scanvorgangs auf dem Halter fixiert bleiben. Möchte man diese zusätzliche Schicht mit zwei Oberflächen, die staubfrei zu halten sind, vermeiden, kann man die Vorlagen auch mit Klebeband direkt auf der Grundplatte fixieren.
Aus dieser Konstruktionsweise ergibt sich, dass man nur lose und biegsame Papiervorlagen scannen kann. Beispielsweise das Digitalisieren von Buchcovern oder einzelne Seiten in einem Buch (ohne diese herauszutrennen) ist nicht möglich.
Führungsschienen für das Einschieben in den Scanner, wie sie für die Filmhalter auf der Zuführung vorhanden sind, gibt es für den Aufsichtvorlagenhalter nicht, dafür ist er zu breit. Man muss also darauf achten, dass der Strichcode des Halters beim Einlegen in den Scanner in der Mitte, da wo eine Aussparung für den Strichcode vorhanden ist, zu liegen kommt. Das weitere Prozedere unterscheidet sich nicht von Durchlichtscans und von anderen Scannern: Vorschauscan machen, Einstellungen vornehmen und Feinscan ausführen.
Wie man sieht, ist der Flextight X5 nicht darauf ausgelegt, Aufsichtvorlagen komfortabel zu digitalisieren. Für diese Anwendung gibt es günstigere und bequemere Lösungen, vor allem, weil man für Auflichtscans nicht die Leistung benötigt, die dieser Scanner bietet. Weder braucht man besonders hohe Scanauflösungen noch einen besonders großen Dichteumfang, da Aufsichtvorlagen nicht über diese Informationsdichte verfügen.
Der 3F-Workflow mit dem Flextight X5
Mit dem sogenannten 3F-Scan lassen sich Rohscans erzeugen, die, ähnlich wie die RAW-Daten einer Digitalkamera, die rohen Bilddaten enthalten, so wie sie vom Sensor erfasst wurden. Das heißt, dass diese Daten nicht durch die Algorithmen der Scansoftware zur Berechnung der fertigen Bilddatei gelaufen sind. Durch die Speicherung des 3F-Scans kann man also immer wieder auf diese Rohdaten zugreifen, so als ob man die Vorlage direkt scannen würde, nur dass man eben nicht auf die aktuell erzeugten Rohdaten aus dem Scanner, sondern auf die schon vorher abgespeicherten Rohdaten auf dem Datenträger zugreift.
Um einen 3F-Scan durchzuführen, klickt man zum Scannen einfach auf den 3F-Button in der Scansoftware. In der daraufhin erscheinenden Dialogbox legt man unter anderem fest, wo der Rohscan gespeichert werden soll, und wie groß die aus dem Rohscan erstellte 16Bit Datei maximal sein darf. Ein Rohscan wird nämlich prinzipiell erstmal mit der für das Format höchstmöglichen Auflösung gescannt. Möchte man aber vermeiden, das man unnötig große Dateien produziert, z.B. weil man weiß, dass ausschließlich kleine Abzüge erstellt werden, kann man hier festlegen, dass die Dateigröße nicht über einen bestimmten Wert hinausgehen soll.
Um den 3F-Scan schließlich auszuführen, braucht man nun nur noch auf den Scannen-Button zu klicken. Der Scan wird ausgeführt und die Rohdaten werden daraufhin im angegebenen Pfad gespeichert. Um nun auf diesen Rohscan zuzugreifen, öffnet man diesen mithilfe des Thumbnails-Browsers, woraufhin das Bild in FlexColor angezeigt wird. Nun lassen sich auf den Rohscan alle Einstellungen anwenden, die man sonst schon vor dem Scan hätte vornehmen müssen. D.h., man sieht das Bild vor sich, so als ob man gerade einen Vorschauscan erstellt hätte. Und genau wie in diesem Fall, nimmt man nun alle Einstellungen vor, bis das Bild seinen Wünschen entspricht. Bei einem normalen Scan mit Vorschau müsste man nun auf Scannen klicken, im Falle eines Rohscans klickt man jedoch auf den Sichern-Button, der den Scannen-Button bei der 3F-Verarbeitung ersetzt. Nun wird eine fertige TIF- (oder auch JPG-) Datei unter Berücksichtigung der gerade vorgenommenen Einstellungen aus den Rohdaten errechnet. Die Einstellungen werden dabei als Metadaten in die Rohscan-Datei geschrieben. Das heißt, der Rohscan bleibt unverändert, in die Datei werden nur zusätzliche Informationen gespeichert, die festlegen, mit welchen Einstellungen der Rohscan zuletzt verarbeitet wurde. Es kann somit immer wieder auf die orignalen Rohdaten zugegriffen werden.
Die mitgelieferte Software des Flextight X5
Zum Lieferumfang des Hasselblad Flextight X5 gehört die Scansoftware FlexColor. Diese Software liegt auch den Digitalkameras und digitalen Rückteilen von Hasselblad bei. Im Betrieb mit einem Scanner verhält sich die Software, wie man es von einer Scansoftware gewohnt ist. Das heißt, das anfertigen eines normalen Scans verläuft nach dem Standard-Schema: Vorschau-Scan machen, Einstellungen vornehmen, Speicherpfad festlegen und Feinscan ausführen.
Flexcolor bietet eine Vielzahl an Einstellmöglichkeiten. So stehen dem Anwender folgende Werkzeuge zur Verfügung:
Die Tonwertkorrektur bietet die Möglichkeit, mithilfe des Histogramms entweder für alle Farbkanäle gemeinsam oder separat für die einzelnen Farbkanäle den Schwarzpunkt, Weißpunkt und den Gammawert einzustellen. Die Histogrammanzeige lässt sich dabei per einfachem Klick auf den entsprechenden Button umschalten zwischen der Ansicht vor der Korrektur und der Ansicht nach der Korrektur, also unter Berücksichtigung der Einstellung der Schieberegler. Drei Pipetten ermöglichen die Festlegung von Schwarzpunkt, Weißpunkt und Graubalance direkt über das Vorschaubild. Auch eine automatische Tonwertkorrektur lässt sich per einfachem Mausklick ausführen.
Das Gradationen-Dialogfenster verfügt neben drei Schiebereglern für Kontrast, Helligkeit und Schattentiefe über ein Gradationskurven-Werkzeug, mit dem sich ebenfalls alle Farbkanäle gemeinsam oder die einzelnen Farbkanäle separat einstellen lassen.
In einem weiteren aktivierbaren Dialogfenster namens Farbkorrektur lassen sich Farben selektiv korrigieren. Dazu wählt man über ein Dropdown-Menü die zu verändernde Farbe aus einer Liste mit den Farben Rot, Grün, Blau, Cyan, Magenta und Gelb aus, und kann diese nun über Eingabefelder oder mithilfe der Pfeilbuttons in Ihrer Farbzusammensetzung und per Schieberegler in der Sättigung verändern. Ist man sich nicht sicher, welcher der sechs Farben der zu verändernde Farbton zuzuordnen ist, kann man auch mit der Pipette auf das Bild klicken, wodurch die entsprechende Farbe im Dialogfenster ausgewählt wird.
Zu guter Letzt lässt sich über das Dialogfenster Schärfung noch eine Unscharfmaskierung anwenden, die sich neben den drei bekannten Parametern Stärke, Radius und Schwellenwert (hier Kornlimit genannt) noch über den Schwarzlimit-Paramter steuern lässt. Mit diesem legt man fest, unterhalb welchem Tonwert keine Unscharfmaskierung stattfinden soll. Dadurch kann man vermeiden, dass Bildrauschen, das vor allem in dunklen Bildstellen entstehen kann, nachgeschärft wird, und somit deutlicher hervortritt.
Zur Einstellung der Auflösung verfügt die Software über ein Dropdown-Menü, in dem alle verfügbaren Auflösungen aufgelistet sind. Die hardwaremäßig erzielbaren Auflösungen werden dabei hervorgehoben. Wählt man eine nicht hardwaremäßig erzielbare Auflösung, so wird die Vorlage mit der nächst höheren hardwaremäßig verfügbaren Auflösung gescannt, und anschließend von der Software heruntergerechnet.
Möchte man mehrere Ausschnitte aus der Vorlage scannen, z.B. wenn man in den Mittelformat-Filmhalter einen Filmstreifen mit mehreren Bildern eingelegt hat, unterscheidet sich die Vorgehensweise ein wenig vom Großteil der bekannten Scansoftware: Während man in den meisten anderen Programmen einfach mehrere Rahmen aufzieht, die dann nacheinander abgearbeitet werden, kann in Flexcolor immer nur ein Scanrahmen aufgezogen werden.
Um mehrere Ausschnitte zu scannen, muss man die Batch-Scan-Funktion nutzen. Aktiviert man diese über einen Klick auf den entsprechenden Button, erscheint ein Dialogfenster mit einer zunächst leeren Liste. Man legt nun den zuerst zu scannenden Bildausschnitt über den Scanrahmen fest, und nimmt alle Einstellungen wie gewünscht vor. Anstatt nun auf Scannen zu klicken, und den Feinscan dieses Ausschnitts zu starten, klick man im Batch Scan Dialogfenster auf den + Button, womit der Liste nach Festlegung des Speicherortes dieser erste Scanauftrag zugefügt wird. Nun legt man auf gleiche Art und Weise alle weiteren gewünschten Scanaufträge fest, und klickt dann letztendlich auf den Scannen-Button innerhalb des Dialogfensters. Daraufhin wird ein Auftrag nach dem anderen automatisch abgearbeitet.
FlexColor erlaubt das Abspeichern von Einstellungs-Sets, den sogenannten Profilen. Das entsprechende Dialogfenster lässt sich über den Menüpunkt Profil-Voreinstellungen... im Datei - Menü aufrufen. Hier kann man allgemeine Einstellungen wie etwa den Filmtyp und die Standardauflösung, sowie Einstellungen Kontrast, Schärfung, Farbkorrektur und Farbmanagement betreffend vornehmen, und als schnell über ein Dropdown-Menü abrufbares Profil abspeichern.
Die Bildqualität des Flextight X5
Nun wird es spannend, denn wir kommen zu der großen Frage dieses Testberichts: Liefert der Flextight X5 eine so gute Bildqualität, wie sie die technischen Daten und auch der relativ hohe Verkaufspreis erwarten lassen?
Wir machen auch bei diesem High-End-Scanner keine Ausnahme, und testen zuerst einmal die effektiv erzielbare Auflösung. Bei einem Scan des USAF-Testcharts in der Kleinbildmaske lassen sich die horizontalen Linien des Elements 7.1 und die vertikalen Linien des Elements 7.2 gerade noch unterscheiden. Das ergibt eine durchschnittliche Auflösung von etwa 7746ppi, womit der Flextight X5 tatsächlich fast die vom Hersteller genannte optische Auflösung von 8000ppi erreicht - einen solch hohen Wert haben wir bisher mit Abstand bei keinen anderen Scanner gemessen!
Diese hohe Auflösung steht allerdings nur bei Kleinbildscans in der hochformatig ausgerichteten Maske des Kleinbild-Filmhalters zur Verfügung. Prinzipiell gilt für Scans mit dem Flextight X5: Je kleiner das zu scannende Bildformat, desto höher die erzielbare Auflösung. Das hängt mit dem Aufbau des optischen Systems des Scanners zusammen. Mittelformat-Vorlagen auf Rollfilm 120/220 können laut Hersteller mit einer Auflösung von 3200ppi und 4x5" Großformat-Planfilmvorlagen mit 2040ppi digitalisiert werden. Die von uns gemessenenen Auflösungswerte entsprechen dabei ziemlich genau den Angaben. Damit ergeben sich folgende maximale Dateigrößen bei Scans mit 48Bit Farbtiefe: 580MB (Kleinbild), 370MB (6x7) und 460MB (4x5").
Um Ihnen die hervorragende Bildqualität des Flextight X5 vor Augen zu führen, haben wir die Ergebnisse mit denen eines hochwertigen Scanners aus dem (semi-)professionellen Bereich verglichen: dem Nikon Super Coolscan 9000 ED. Vergleichen wir zunächst die Auflösung: Der Nikon Scanner erreicht hier schon einen sehr guten Wert von knapp 4000ppi. Bei Kleinbildscans erreicht der Flextight X5 also die doppelte Auflösung!
Wie sich dieser eklatante Unterschied in der Praxis auswirkt, zeigen wir Ihnen anhand des nebenstehenden Bildes, das mit beiden Scannern in der jeweils höchstmöglichen Auflösung gescannt wurde.
Bei einem Klick auf das erste (links) Thumbnail schaltet das sich daraufhin öffnende Bildfenster mit Bildausschnitt 1 etwa alle zwei Sekunden zwischen dem Scan mit dem Nikon Super Coolscan 9000 ED und dem Scan mit dem Hasselblad Flextight X5 um. Den Nikon-Scan haben wir nachträglich auf 8000ppi hochgerechnet, so dass man die Ergebnisse direkt miteinander vergleichen kann. Ein Klick auf das zweite (rechte) Thumbnail zeigt einen 100% Crop des selben Bildausschnitts beider Scans, also ohne nachträgliche Anpassung der Auflösung. Wie man hier deutlich erkennen kann, lassen sich Kleinbild-Vorlagen mit dem Flextight X5 wesentlich stärker vergrößern, als mit dem Super Coolscan.
Bei Mittelformat-Scans hat wiederum der Nikon 9000 auflösungsmäßig die Nase vorn: Hier stehen die unabhängig vom Filmformat zur Verfügung stehenden 4000ppi des Nikon den bei Mittelformat zur Verfügung stehenden 3200ppi des Flextight gegenüber. Man muss aber fairerweise sagen, dass man sehr selten in die Verlegenheit kommen wird, Mittelformate mit einer höheren Auflösung als 3200ppi scannen zu müssen - 370MB reichen für die allermeisten Anwendungen aus. Nur für sehr große Ausbelichtungen in höchster Qualität braucht man noch mehr Auflösung, dann werden die 4000ppi des Nikon 9000 allerdings auch nicht ausreichen, und man muss von der Vorlage einen Trommelscan anfertigen (lassen) - nur mit einem Trommelscanner sind noch höhere Auflösungen möglich.
Die Maximaldichte des Flextight X5 liegt bei Dmax = 4,9. Damit kann der Scanner auch in sehr dichten Schattenpartien Zeichnung erfassen, wie kein anderer von uns getester Scanner bisher. Der damit einhergehende riesige Dichteumfang ermöglicht die Erfassung von hellsten Lichtern und dunkelsten Schatten. Klicken sie auf die nebenstehenden Thumbnails, um die Bildausschnitte 2 und 3 in Originalgröße zu sehen, wobei die Darstellung wieder etwa alle zwei Sekunden zwischen den Scans vom Flextight X5 und dem Super Coolscan 9000 ED umschaltet. Wie man sieht, übertrifft der Flextight den in Sachen Dichteumfang schon sehr starken Nikon Super Coolscan 9000 ED nochmals deutlich sichtbar. Die Schatten zeigen definiertere Zeichnung und auch in den Lichtern wirken die Flextight-Scans homogener.
Da zum Scannen von Großformat-Planfilmen außer Trommelscanner nur Flachbettscanner mit dem Flextight X5 konkurrieren, vergleichen wir die Ergebnisse bei einem 4x5"-Großformat-Scan mit denen des hochwertigen Flachbettscanners Epson Perfection 10000XL. Hierbei beschränken wir uns auf die effektiv erzielbare Auflösung: Der Epson bietet eine optische Auiflösung von 2400ppi, liegt damit also über den bei Großformaten maximal möglichen 2040ppi des Hasselblad. Wie es allerdings um die effektiv erreichbare Auflösung steht, sehen sie in unserem Bildbeispiel: Ein Klick auf das rechte Thumbnail öffnet ein Bildfenster mit dem eingezeichneten Ausschnitt, bei dem die Darstellung etwa alle zwei Sekunden zwischen den Scans mit dem Epson Perfection und dem Flextight X5 umschaltet. Dabei haben wir den 2400ppi Scan des Epson auf 2040ppi heruntergerechnet, um auch hier einen direkten Vergleich zu ermöglichen. Sehr deutlich ist zu erkennen, dass der Flextight-Scan wesentlich schärfer ist, als der Epson-Scan.
Die mit der Konstruktion als virtueller Trommelscanner einhergehende immer akkurate Fokussierung führt zu perfekter Schärfe. Auch gewölbtes oder gerolltes filmmaterial wird durch die Biegung beim Scanvorgang in perfekte Planlage gebracht, so dass der zu scannende bildbereich immer zu 100% im Fokus liegt. Partitielle Unschärfe z.B. zum Rand hin, die bei den meisten anderen Scannern ein häufig auftretendes Problem darstellen, kennt der Flextight X5 nicht.
Bildrauschen ist für den Flextight X5 praktisch ein Fremdwort. Dazu trägt auch die aktive Kühlung des Sensors ihren Teil bei, denn eine häufige Ursache für Bildrauschen liegt in der Wärmeentwicklung am Bildsensor, die hier dank der Kühlung erheblich reduziert werden konnte.
Einziges Manko des Hasselblad Flextight X5 in Sachen Bildqualität ist die fehlende hardwarebasierte Staub- und Kratzerkorrektur. Zwar ist das Gerät mit einem Lichtkondensor ausgestattet, das ein weiches Licht erzeugt, und somit kleinste Staubpartikel, die erst bei einer 100%-Ansicht sichtbar wären, verschwinden lässt. Etwas größere Partikel jedoch können dadurch nicht überstrahlt werden, so dass eine manuelle Retusche der Scans unumgänglich ist, die aber dank des Lichtkondensors nicht ganz so aufwändig ausfällt, wie bei Scans von Geräten ohne solch einen Kondensor. Man muss also beim Scannen mit dem Flextight X5 umso mehr auf eine möglichst staubarme Vorlage achten. Hier spielt der Nikon Super Coolscan 9000 ED voll die Stärken der hardwarebasierten Staub- und Kratzerkorrektur ICE aus.
Die Scangeschwindigkeit des Flextight X5
Die folgenden Scanzeiten haben wir an einem Rechner mit Intel Core i7 Prozessor und 8GB RAM ermittelt. Mit dieser zum Testzeitpunkt hochwertigen Hardware war es möglich, die volle Geschwindigkeit des Scanners auszunutzen, und ihn nicht durch eine zu langsame Verarbeitung der Daten auszubremsen.
| Vorgang |
Dauer |
| Durchlichtscan vom Kleinbild mit 2000ppi Auflösung |
0:25 min |
| Durchlichtscan vom Kleinbild mit 5000ppi Auflösung |
1:00 min |
| Durchlichtscan vom Kleinbild mit 8000ppi Auflösung |
1:50 min |
| Durchlichtscan vom Mittelformat 6x6 mit 1600ppi Auflösung |
0:29 min |
| Durchlichtscan vom Mittelformat 6x6 mit 3200ppi Auflösung |
1:07 min |
| Durchlichtscan vom Grossformat 4x5" mit 1020ppi Auflösung |
1:16 min |
| Durchlichtscan vom Grossformat 4x5" mit 2040ppi Auflösung |
1:16 min |
| Auflichtscan 10x15cm mit 300ppi Auflösung |
0:35 min |
| Auflichtscan 10x15cm mit 960ppi Auflösung |
2:58 min |
| Auflichtscan Din A4 mit 300ppi Auflösung |
1:13 min |
| Auflichtscan Din A4 mit 960ppi Auflösung |
7:56 min |
Wie man sieht, handelt es sich beim Hasselblad Flextight X5 um einen sehr schnellen Scanner. Eine Kleinbildvorlage ist mit 5000ppi in nur 1 Minute, ein 6x6 Dia mit 3200ppi in nur minimal längerer Zeit, und ein 4x5" Dia bei 2040ppi in auch nur unwesentlich längerer Zeit digitalisiert - das ist schon eine Klasse für sich! Die Scanzeiten für Negative unterscheiden sich quasi nicht von den Scanzeiten für Positive.
Die identische Scanzeit für Großformatscans 4x5" bei 1020ppi und 2040ppi ergibt sich daraus, dass dem Scanner die Auflösung 1020ppi nicht hardwaremäßig zur Verfügung steht, sondern die Vorlage mit 2040ppi gescannt und danach heruntergerechnet werden muss.
Zusammenfassung, Fazit
Als preislich deutlich über Comsumer- und auch semiprofessionellen Geräten angesiedelter Scanner ist der Hasselblad Felxtight X5 wie auch die Kameras des schwedischen Herstellers hauptsächlich für den professionellen Bereich ausgelegt. Glücklicherweise spiegelt sich der relativ hohe Kaufpreis auch in der Bildqualität und der Performance wieder: Der Käufer erhält für sein Geld ein absolut professionelles Gerät, das auch höchsten Ansprüchen genügt.
Die mit dem Flextight X5 erzielbare Bildqualität ist besser als die jedes günstigeren Scanners. Selbst ein Nikon Super Coolscan 9000 ED muss sich hier geschlagen geben. Auflösung, Dichteumfang und Geschwindikeit erreichen Höchstwerte. Lediglich die fehlende hardwarebasierte Staub- und Kratzerkorrektur ist ein kleiner Kritikpunkt, den der integrierte Lichtkondensor nur zu einem geringen Teil wieder gut machen kann. Der Hasselblad Flextight X5 is also allen zu empfehlen, die wirklich hochwertige Scans erzeugen möchten (oder müssen), und bereit sind, für diese Qualität einen entsprechenden Preis zu bezahlen.
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