Bildschirmkalibrierung zur Darstellung naturgetreuer Farben

Die Kalibrierung eines Computer-Bildschirmes gehört zu den wichtigsten Vorgängen bei der digitalen Bildbearbeitung, bei der Verarbeitung und Betrachtung von Digitalkamera-Bildern und natürlich beim Scannen von Vorlagen und Filmen. Während große Druckereien, Agenturen oder Verlage speziell ausgebildete Mitarbeiter haben, die sich dem Thema Farbmanagement und Bildschirm-Kalibrierung widmen, beschränkt sich dieser Vorgang bei vielen Privatleuten und Fotografen auf das Drücken der "Auto"-Taste am Bildschirm bzw. der Bedienung der Helligkeits- und Kontrastregler am Monitor.


Empfehlenswerte Produkte zur Bildschirmkalibrierung sind in unserem Online-Shop erhältlich.

Solche einfachen Kalibrationen, die man besser als Grobeinstellung bezeichnen sollte, liefern zwar zunächst das scheinbar bestmögliche Ergebnis, aber eine originalgetreue Wiedergabe von Bildern am Monitor ist damit nicht gewährleistet. Und was auf dem Drucker oder im Fotolabor aus einem Digitalbild wird ist unter Umständen etwas ganz anderes als am Bildschirm erscheint.

Diese Seite widmet sich ausschließlich und ausführlich dem Thema Bildschirmkalibrierung. Es liegt uns sehr viel daran, dem unerfahrenen Neuling in der Digitalfotografie, Scannerei und Bildbearbeitung die Bedeutung der Monitor-Kalibration nahezubringen.

Typische Problemfälle infolge fehlender Bildschirm-Kalibration

Ich möchte das Thema Bildschirm-Kalibrierung beginnen mit einigen typischen Problemen von Anwendern, die immer wieder kehren. Da wir im Rahmen unseres Scan-Service für sehr viele Kunden Fotos digitalisieren und im Rahmen unseres Filmscanner-Shops zahlreichen Kunden einen Scanner ausliefern, bekommen wir viele Anwender-Probleme mit, die allesamt auf eine fehlende Kalibrierung des Bildschirmes zurückzuführen sind. Im Folgenden ein paar Beispiele aus der Praxis:

Ein Kunde beklagt sich, dass die von uns gemachten Scans viel zu dunkel sind. Beim Betrachten auf unserem Bildschirm ergeben sich jedoch ausreichend helle Bilder mit natürlichen Farben. Eine einfache Betätigung des Helligkeitsreglers am Monitor des Kunden liefert ihm Bilder wie er sie gewünscht hat. Die dunkle Einstellung des Bildschirmes war jedoch nicht unbegründet, denn wer bis dato hauptsächlich mit hellen Oberflächen (zum Beispiel Office-Dokumenten für Briefe) gearbeitet hat, neigt gerne dazu, die Bildschirm-Helligkeit drastisch zu reduzieren; Wir hatten auch schon Fälle, wo der Bildschirm des Kunden so alt war, dass er einfach nicht mehr genügend Helligkeit zu erbringen in der Lage war. Das Betrachten der Bilder auf dem PC eines Freundes lieferte plötzlich Traumfotos.

Ein anderer Kunde bemängelte einen deutlich erkennbaren Rotstich in allen Bildern. Eine falsche Einstellung im Scanprogramm? Nein, es handelte sich um einen zwei Jahre alten Bildschirm, dessen Rotkanal überbetont war, der jedoch keine separate Einstellung für die einzelnen Farbkanäle im Bedienermenü hatte. Da hilft nur ein Bildschirmaustausch oder eine Kalibrierungssoftware, die die negativen Eigenschaften des Bildschirmes ermittelt und kompensiert.

Anwender, die sich einen eigenen Filmscanner kaufen, neigen gerne dazu, im Scan-Programm Effekte zu kompensieren, die äußeren Umständen zu verdanken sind. Es gibt Anwender, die die Gradationskurve gnadenlos nach unten versetzen (Absenkung der Helligkeitswerte), nur weil die Sonne indirekt auf den Bildschirm scheint. Beim Ausdruck eines solchen Scans erscheint dann plötzlich der zur Mittagszeit fotografierte Eifelturm im Dämmerlicht.

Noch schlimmer ist es, wenn man Scans oder Bilder von der Digitalkamera im Bildverarbeitungsprogramm bearbeitet bzw. so manipuliert, dass sie am Bildschirm optimal dargestellt werden. Beim Betrachten auf einem anderen Monitor erscheinen die Digitalbilder dann zu hell, zu dunkel oder gar farbstichig. In dem Fall hat man im Bildverarbeitungsprogramm nicht das Bild optimiert, sondern die nicht durchgeführte Monitor-Kalibration ins Bild eingearbeitet. Das Bild ist in gewissem Sinne zerstört worden.

Viele Anwender beklagen sich dann, dass ein digitaler Bilderservice miserable Qualität mit total falschen Farben liefert. Dabei gehen die Meinungen weit auseinder. Während der eine von seinen Prints nur so schwärmt schwört der andere, Nie mehr dem Bilder-Service XY seine Digitalfotos anzuvertrauen. Keine Frage, es gibt Bilderdienste, die ihre Maschinen nicht richtig eingestellt oder optimiert haben, aber zahlreiche Fehlprints sind einfach darauf zurückzuführen, dass Bilder für einen bestimmten Bildschirm optimiert bearbeitet wurden, auf einem kalibrierten Bildschirm jedoch katastrophal aussehen würden.

Die Liste von Problemfällen aus der Praxis lässt sich ewig fortführen. Natürlich gibt es Scanner und Digitalkameras, die schlechte, zum Teil farbstichtige Bilder liefern; Aber bevor man eine solche Aussage macht, sollte man immer zuerst seinen Bildschirm überprüfen. Zahlreiche Probleme von Neulingen im Digital Imaging sind alleine auf falsche Bildschirm-Einstellungen zurückzuführen. Dabei lässt sich dieses Problem doch ganz einfach lösen mit den entsprechenden Hilfsmitteln und etwas Know-How, wie die folgenden Kapitel zeigen werden.

Zahlreiche Probleme von Anfängern im Digital-Bereich sind auf eine falsche Bildschirm-Einstellung zurückzuführen. Ein kalibrierter Monitor ist die Voraussetzung für gute Scans, gute Digitalfotos, eine richtige Bildbearbeitung und gute Abzüge.

Wie funktioniert ein Bildschirm-Kalibrier-Tool?

So mancher Anwender ist der Meinung, er könne seinen Monitor perfekt einstellen, indem er für einige Musterfotos im Einstellungsmenü des Bildschirmes die einzelnen Regler in die richtige Position bringt. Das mag für einige Digitalbilder einigermaßen funktionieren, aber damit ist keine Kalibrierung nach einem objektiven Maßstab möglich. Das menschliche Auge normaler Anwender ist nicht in der Lage, genau zu unterscheiden, ob bei einem Bild zum Beispiel der Rotkanal um ein paar Prozent zu stark oder zu schwach eingestellt ist. Und stellt man die Monitor-Regler für ein Bild, das am Strand aufgenommen wurde, optimal ein, so kann es dennoch sein, dass Bilder, die bei Dämmerung aufgenommen wurden, dann viel zu dunkel erscheinen.

Es gibt Testbilder, die gezielt einzelne Farben darstellen, aber auch damit ist keine exakte Kalibration möglich. Man benötigt also eine objektive Methode, um die am Bildschirm dargestellten Farben zu überprüfen. Dazu ist ein Messinstrument, ein sogenanntes Kolorimeter, notwendig; Ein Kolorimeter ist in der Lage, Farben zu messen. Aber auch damit ist die Sache noch nicht getan, denn die bloße Messung der dargestellten Farben bringt nichts, wenn man keine entsprechenden Referenzwerte hat. Man benötigt also ein Set aus Kolorimeter, Referenzfarben und einer Software, die einen Abgleich schafft. Es gibt mehrere solcher Toolkits auf dem Markt; im Folgenden wird beschrieben, wie diese Systeme arbeiten.

Spyder2 Colorimeter am Monitor

Schritt 1: Tools zur Bildschirmkalibrierung verlangen immer zu Beginn der Kalibrierung, dass die Monitor-Einstellungen in den Auslieferungszustand zurückversetzt werden. Ein Monitor, bei dem zum Beispiel die Helligkeit bis zum Anschlag aufgedreht ist, lässt kaum noch Spielraum zur korrekten Einstellung.

Schritt 2: Es gibt nicht DIE Einstellung, gemäß der sämtliche Bildschirme auf der ganzen Welt kalibriert sein sollen. Zwei Größen geben quasi den Kalibrierungs-Grad an: die Farbtemperatur und das Gamma. Die Farbtemperatur bestimmt den Wärme-Eindruck eines Bildes (das Wasser eines Flusses kann warm oder kalt erscheinen), und das Gamma bestimmt die Helligkeit der mittleren Farbtöne. Es gibt Quasi-Standards: Farbtemperatur = 6500K und Gamma = 2,2. In der professionellen Fotografie und Bildbearbeitung wird oft auch eine Farbtemperatur von 5000K gewählt. Einfache Kalibrier-Toolkits arbeiten genau mit diesen Werten, bessere Tools lassen dem Benutzer verschiedene Auswahlmöglichkeiten dieser beiden Parameter, professionelle Tools erlauben die Kalibrierung gemäß beliebiger Vorgabe diese Parameter.

Schritt 3: Manche sehr guten Bildschirme erlauben die Einstellung der Farbtemperatur oder sogar der Intensität der einzelnen Farbdüsen (rot, grün und blau) direkt im Einstellungsmenü. So manche professionelle Kalibrier-Software beinhaltet eine Feineinstellung dieser Parameter, um eine maximale Farbausbeute aus den Monitor-Eigenschaften herauszuholen.

Schritt 4: Jetzt kommt die eigentliche Farbkalibration: Ein Kolorimeter wird auf der Bildschirmoberfläche positioniert. Die Kalibrier-Software stellt in einem Fenster zahlreiche Farbtöne dar, zum Beispiel eine Farbserie von tiefem blau bis weiß, eine Grauserie von schwarz bis weiß und zahlreiche Mischfarben.

Messung unterschiedlicher Farben mit dem Colorimeter Messung unterschiedlicher Farben mit dem Colorimeter Messung unterschiedlicher Farben mit dem Colorimeter

Das Kolorimeter misst die dargestellten Farben und liefert die gemessenen Werte an die Software zurück. Dazu muss das Farbmessgerät natürlich über ein USB-Kabel an den Rechner angeschlossen sein. Die Software kann dann den dargestellten Farbton mit dem gemessenen vergleichen und die Differenz ermitteln. So kann es zum Beispiel sein, dass die Software einen Grauton mit 50% Schwarzanteil dargestellt, am Bildschirm jedoch nur eine graue Fläche mit 45% Schwarzanteil herauskommt. Dann weiß die Software, dass in Zukunft jeder 50%ige Grauton um ca. 5% verstärkt werden muss, damit er am Bildschirm richtig erscheint.

Schritt 5: Am Ende einer Messreihe hat die Kalibrierungs-Software eine Reihe von Differenzen der gemessenen Farbtöne zu den gewünschten Farbtönen ermittelt. Dieses Ergebnis wird in einem ICC-Profil abgespeichert. Es handelt sich um ein individuelles Farbprofil für den angeschlossenen Bildschirm. Dieses Profil wird beim Systemstart auf die Grafikkarte geladen und damit wird der Monitor kalibriert, d.h. der Bildschirm stellt Helligkeit, Kontrast, Farbtemperatur etc. gemäß den gewünschten Einstellungen dar.

Damit ist jedoch noch keine Farbtreue gewährleistet. Diese erfolgt durch Farbmanagement fähige Software wie zum Beispiel Adobe® Photoshop®. Solche Programme werten bei der Darstellung von Bildern das ICC-Profil aus und führen automatisch die notwendigen Korrekturen durch, so dass Farben echt und originalgetreu am Bildschirm dargestellt werden. Ein einfacher Werbbrowser ist nicht farbmanagementfähig, wertet also keine ICC-Profile aus.

Die Darstellung korrekter Farben erfolgt also in zwei Schritten, in einem ersten allgemeinen Kalibrierungsschritt und in einem zweiten Profilierungsschritt. Von der Kalibrierung profitieren alle Anwendungsprogramme, also auch der Internet-Browser oder ein einfacher Bildbetrachter. Von der Profilierung profitieren nur Farbmanagement-fähige Programme wie Photoshop®.

Das mittels Kalibrier-Software und Kolorimeter erstellte Farbprofil sorgt für eine korrekte Darstellung der Farbtöne am Bildschirm gemäß vorgegebenen Werten für Farbtemperatur und Gamma.

Ein wie oben beschriebener Kalibrierungsvorgang ist in einer halben Stunde erledigt, sollte jedoch in regelmäßigen Abständen, zum Beispiel einmal pro Monat, erneut durchgeführt werden. Professionelle Anwender in Bildagenturen und Grafik-Büros kalibrieren ihre Bildschirme zum Teil wöchentlich. Sehr wichtig ist, dass nach der erfolgten Bildschirm-Kalibration die Monitor-Regler nicht mehr verändert werden. Wird zum Beispiel das Bildschirm-Menü einmal zur Wiedergabe einer DVD optimal angepasst, so muss anschließend für den normalen Betrieb der Monitor neu kalibriert werden.

Vorteile und Grenzen der Monitor-Kalibrierung

Was hat man nun davon, wenn man seinen Bildschirm mit Hilfe eines Kalibrier-Toolkits auf Normwerte kalibriert? Sind damit alle erdenkbaren Farbprobleme aus der Welt geschaffen? Sind damit hochwertige, farbtreue Abzüge oder Ausdrucke am Tintenstrahldrucker garantiert? Liefert dann ein Scanner bessere Ergebnisse als vorher?

Nun, das typische Problem, dass eine Digitalfotoserie am Bildschirm eines Freundes ganz anders aussieht als am eigenen Rechner, lässt sich aus der Welt schaffen, indem beide Bildschirme auf einen gleichen Kalibrier-Standard gesetzt werden. Auch wer mehrere Rechner mit unterschiedlichen Bildschirmen sein Eigen nennt, kann sicherstellen, dass Digitalfotos an beiden Displays identisch erscheinen. Auch wer sich zu Weihnachten einen neuen Bildschirm gönnt, kann sichergehen, dass seine Bilder gleich erscheinen wie vorher, wenn auch der neue Bildschirm richtig kalibriert wird.

Der ganz große Vorteil einer Farbkalibration liegt beim Scannen oder Verarbeiten von Digitalbildern, denn man kann sicher sein, dass man die richtigen Farbtöne am Bildschirm angezeigt bekommt. Sind die Farbtöne nicht so, wie man sie wünscht, macht man in der Scansoftware oder im Bildverarbeitungsprogramm entsprechende Korrektur-Einstellungen, und man hat die Gewissheit, dass man das eigentliche Bild korrigiert und nicht die Korrektur eines falsch eingestellten Bildschirmes in seine Bilder einarbeitet, so dass diese eigentlich verwüstet werden.

Ein richtig kalibrierter Bildschirm ist die Grundvoraussetzung zum Scannen von Bildern und zur Bearbeitung von Digitalbildern mit Bildbearbeitungsprogrammen.

Wo liegen die Grenzen der Monitor-Kalibrierung? Bildschirme der aktuellen Generation lassen sich problemlos auf eine bestimmte Farbtemperatur/Gamma-Kombination kalibrieren. Bei so manchem Anwender zeigt jedoch noch ein 10 Jahre alter Röhrenmonitor das Bild eines Computers an. Es gibt hervorragende Produkte, die auch im hohen Alter noch perfekte Bilde fabrizieren; es gibt jedoch auch alte Monitore, die ausgebrannt oder altersschwach sind, die nicht mehr in der Lage sind, bestimmte Farbtöne, insbesondere Helligkeiten, Richtig darzustellen. Da hilft natürlich auch keine Farbkalibrierungssoftware mehr. Sie mag zwar eine kleine Verbesserung bringen, garantiert aber nicht mehr die Darstellung gemäß den eingestellten Farbtemperatur- und Gamma-Werten.

Kann man eigentlich sicher sein, dass man perfekte Ausdrucke am Drucker oder Abzüge vom Fotodienst erhält, wenn man seinen Bildschirm kalibriert hat? NEIN!!! Das sind zwei völlig verschiedene paar Stiefel. Die Bildschirm-Kalibration stellt sicher, dass die Farben eines Bildes korrekt am Bildschirm dargestellt werden. Ein angeschlossener Tintenstrahldrucker profitiert insofern von der Monitorkalibrierung, dass die Bilddateien vom Benutzer beim Scanvorgang oder im Bildbearbeitungsprogramm nicht verschmutzt werden. Aber ob der Drucker die Bildfarben richtig darstellt oder nicht, hängt ganz von dessen Qualität ab.

Und man ahnt es schon: Es gibt auch Kalibrier-Toolkits für Drucker (siehe unsere Seite Druckerprofilierung), die analog zu Bildschirm-Kalibrier-Toolkits funktionieren: Probeausdruck mit genormten Farben erstellen, tatsächlich gedruckte Farben mit einem Messgerät ermitteln und mit Hilfe einer Software ein individuelles Druckprofil erstellen. Von einem Bilderdienst, der seine Geräte richtig kalibriert hat, kann man jedoch sehr gute Abzüge erwarten, wenn man seinen eigenen Bildschirm richtig kalibriert hat.

Eine weitere Limitierung der Bildschirmkalibrierung stellt der zweistufige Vorgang Kalibrierung - Profilierung dar: Von der allgemeinen Kalibrierung profitieren sämtliche Programme, die Ausgaben am Bildschirm erzeugen. Von der Profilierung profitieren nur farbmanagementfähige Programme, die ICC-Profile auswerten. Das sind nahezu alle Bildbearbeitungsprogramme, aber praktisch keine Webbrowser. Daher kommt es, dass ein Bild zum Beispiel in Photoshop® ganz anders dargestellt wird als im Internet-Explorer.

Wie oft sollte eine Bildschirm-Kalibrierung durchgeführt werden?

Hat man sämtliche Farbprobleme der Welt gelöst, wenn man sich einmal zum Kauf eines Monitorkalibriertools überwindet und die 30-minütige Prozedur erfolgreich durchführt? Kann man sein Colorimeter nach erfolgter Kalibrierung gleich an den nächsten Anwender weiterverkaufen? Die Antwort ist ein klares NEIN. Einige Gründe im Einzelnen:

Sämtliche Computer-Bildschirme unterliegen Qualitätsschwankungen, die sich sowohl von Tag zu Tag ändern als auch in Form eines monatlichen oder gar jährlichen Dahinschleichens bemerkbar machen. Ein Monitor, der heute zu 100% richtig kalibriert wurde, mag morgen nur noch zu 98% richtige Farben darstellen. Den Amateur stören solche geringen Schwankungen kaum, da sich äußere Einflüsse wie die aktuelle Lichtsituation mehr auf das Bild auswirken als die Monitorschwankung. Professionelle Grafiker, die unter Normlichtbedingungen arbeiten, kalibrieren ihre Bildschirme jedoch tagtäglich, um Farbfehler garantiert zu vermeiden.

Den Amateur oder semiprofessionellen Anwender stören vielmehr die langfristigen Änderungen am Bildschirm. Aus diesem Grund empfiehlt es sich, die Bildschirm-Kalibrierung im Monatsrhythmus zu wiederholen. Grund zur Neukalibrierung gibt selbstverständlich auch der Kauf eines neuen Monitors oder Rechners. Und nicht zuletzt passiert es immer wieder, dass man bewusst oder unbewusst die Monitor-Einstellungen verändert, so dass diese nicht mehr optimal auf das einmal erstellte Farbprofil abgestimmt sind und zum Teil gräußliche Farben am Bildschirm darstellen.

Der Kauf eines Hardware-basierten Tools zur Bildschirmkalibrierung ist eine lohnenswerte und überhaupt nicht teure Angelegenheit, wenn man bedenkt, dass man dafür jahrelang oder gar jahrzehntelang mit echten, unverfälschten Bildschirmfarben belohnt wird.

Kalibrierung von Fernsehern, Beamern und iPad-Displays

Wer seinen Computer-Bildschirm kalibriert hat und sich an den Genuss farbrichtiger und farbechter Bilder gewöhnt hat, bei dem kommt schnell der Wunsch auf, auch andere Haushaltsgeräte mit einem Farbdisplay zu kalibrieren. Schließlich ist es doch zu schade, wenn die Urlaubsfotos am PC brilliant und farbecht erscheinen, bei der Präsentation am Großformat-Flachbildfernseher oder bei der Beamer-Projektion vor Freunden jedoch ganz anders dargestellt werden.

Kalibrierung von Fernsehern

Die Kalibrierung von Fernsehgeräten ist genauso möglich wie die Kalibrierung von Computer-Monitoren. Man benötigt dazu ein spezielles Tool namens Datacolor SpyderTV. Darin ist ein Kolorimeter enthalten, welches man auch für die Kalibrierung von Computerbildschirmen verwendet, und eine spezielle Software-DVD für den Kalibriervorgang. Wer bereits ein Spyder-Tool zur Bildschirmkalibrierung hat, kann die Software einzeln erwerben (Datacolor SpyderTV Upgrade) um sein Fernseher-Display zu kalibrieren.

Der Vorteil eines kalibrierten Fernsehers ist, dass Fotos genauso farbrichtig und gleich erscheinen, wie man sie parallel oder zuvor am Computerbildschirm sieht bzw. gesehen hat. Auch genießt man dann Videofilme genau so, wie es die Intention des Regisseurs war. Da die TV-Kalibrierung ein beliebtes und viel gefragtes Thema ist, haben wir uns mit diesem Thema ausführlich auf einer Extra-Seite über TV-Kalibrierung befasst.

Kalibrierung von Beamern

Bei der Präsentation von Vorträgen, Foto-Shows oder beim gemeinsamen Anschauen von Filmen kommen heutzutage immer öfters Beamer zum Einsatz, die ein großflächiges Bild an eine Leinwand projizieren. Auch Beamer haben die Eigenschaft, dass sie von Modell zu Modell oder von Hersteller zu Hersteller eine unterschiedliche Farbwiedergabe haben, die man nur vereinheitlichen bzw. auf einen Standard bringen kann, indem man den Beamer kalibriert.

Auch die Kalibrierung von Beamern ist möglich mit Hilfe der Datacolor Spyder-Produkte. Bei der Farbkalibrierung eines Beamers muss man jedoch unterscheiden, ob der Beamer an einem Computer oder an einem DVD-/BlueRay-Player hängt. In beiden Fällen benötigt man einen PC um die Kalibrierung durchzuführen, im ersten Fall speichert man jedoch ein Farbprofil auf dem PC, im zweiten Fall führt man Farbeinstellungen direkt am Beamer durch.

Um einen Beamer zu kalibrieren, der an einen Computer angeschlossen ist, benötigt man das weiter unten beschriebene Tool Datacolor SpyderElite. Mit diesem Kolorimeter kann man sowohl seinen PC (oder auch mehrere) als auch einen Beamer kalibrieren, man fängt also gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Führt man die Beamer-Kalibrierung durch, so erhält man an der Leinwand ein ebenso farbtreues Bild wie man es (parallel dazu) am Computer-Bildschirm sieht.

Um einen Beamer zu kalibrieren, der an einen DVD-Player oder an einen BlueRay-Player angeschlossen ist, benötigt man das Tool Datacolor SpyderTV, das wir oben bereits zur Kalibrierung von Fernsehern empfohlen haben. In diesem Fall erfolgt die Kalibrierung also gleich wie bei der Kalibrierung eines Fernsehgerätes. Ausführliche Infos darüber gibt es auf unserer Seite über TV-Kalibrierung. Nach erfolgreicher Kalibrierung genießt man seine DVDs/BlueRays in genau der Farbe wie es der Regisseur bei der Aufnahme einst vorgesehen hatte.

Kalibrierung von iPad-Displays

Im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts hat die große Zeit der Tablet-PCs begonnen, allen voran natürlich das Apple iPad in seinen unterschiedlichen Ausführungen und Modellvarianten. Immer öfters werden solche Touchscreen-PCs oder Handhelds für die schnelle Präsentation oder einfach fürs Anschauen von Fotos oder Videos verwendet. Da liegt es doch auf der Hand, dass auch solche Geräte farblich kalibriert werden können, um eine originale, echte Farbwiedergabe zu erhalten.

Datacolor hat als erster Hersteller eine Möglichkeit geschaffen, ein Apple iPad zu kalibrieren. Als Hardware benötigt man ein Kolorimeter wie es bei den Datacolor-Spyder-Produkten zur Bildschirmkalibrierung enthalten ist. Als Software benötigt man eine App namens SpyderGallery, die man kostenlos vom Apple App-Store herunterladen und installieren kann. Die Kalibrierung erfolgt mit Hilfe eines PCs, der mit dem iPad z.B. per WLAN Kontakt haben muss. Betrachtet man nach erfolgreicher Kalibrierung Fotos im Bildbetrachtungsprogramm am iPad, so kann man sich über akkurate, echte Farben erfreuen wie man sie auch vom PC her nach erfolgreicher Kalibrierung kennt.

Fazit

Wer seinen Computer nur zum Surfen im Internet oder zum Schreiben von Briefen verwendet, braucht keine genormte Bildschirm-Kalibrierung, denn bei solchen Anwendungen spielt es keine Rolle, ob die Farben 100% richtig dargestellt werden oder nicht. Auch wer stolzer Besitzer einer Digitalkamera ist und seine aufgenommenen Urlaubsbilder nur gelegentlich am Bildschirm betrachtet, kommt mit einer manuellen Monitor-Kalibration mittels der Bildschirm-Regler zurecht.

Wer jedoch mit einem Filmscanner oder Flachbettscanner Fotos digitalisiert oder Digitalbilder, die von einem Scan-Programm oder von einer Digitalkamera kommen, mit einem Bildbearbeitungsprogramm optimiert, sollte unbedingt seinen Bildschirm kalibrieren, denn zu groß ist die Gefahr, dass man mit falschen Einstellungen im Scanprogramm oder in der Bildbearbeitungssoftware das Bild zerstört - Zerstörungen, die erst beim Ausdruck oder beim Kauf eines neuen Bildschirmes in einigen Jahren zu Tage kommen.

Toolkits zur Monitorkalibrierung für Einsteiger sind zu günstigen Preisen am Markt erhältlich, zum Beispiel SpyderExpress. Eine solche Anschaffung ist quasi einmalig im Leben. Für Profis gibt es auch teure Tools mit unzähligen Einstellmöglichkeiten, aber dazu muss man sich ausgiebig mit dem Thema Farbmanagement beschäftigen. In unserem Online-Shop finden Sie spezielle Fachliteratur zum Thema Farbmanagement.


Aktuelle Produkte zur Monitorkalibrierung

Es gibt eine Reihe von Produkten zum Kalibrieren von Bildschirmen aller Art, angefangen vom einfachen Toolset für Einsteiger, die nur schnell und ohne große Eingriffsmöglichkeiten eine Standard-Kalibrierung durchführen möchten, bis zu Profi-Tools für professionelle Anwender, die eine hochgenaue Kalibrierung eines oder mehrerer Bildschirme durchführen möchten. Die im Folgenden beschriebenen Tools haben wir getestet bzw. befinden sich bei uns in permanentem Einsatz.

Datacolor Spyder5Express

Datacolor Spyder5Express

Mit Spyder5Express startet die vierte Generation der Bildschirmkalibrierungslösung von DataColor. Im Gegensatz zur dritten Generation hat sich einiges getan: Der Sensor glänzt mit einem neuen ummantelten Filter, der eine längere Lebensdauer und erhöhte Präzision liefert. So wurde die durchschnittliche Genauigkeit um 26% erhöht und die Übereinstimmung zwischen den Spyder-Einheiten hat sich um 19% verbessert. Sieben patentierte Farbsensoren sorgen nun dafür, dass Monitore farbgetreu arbeiten können und korrekte Farben darstellen. Mittlerweile wird zudem sogar eine Vielzahl an Wide-Gamut Monitoren erkannt und berücksichtigt. Sowohl LCD-, OLED-, CRT-, DLP- als auch andere Display-Technologien werden unterstützt zusammen mit der Möglichkeit neben (Laptop-) Monitoren auch iPads und iPhones zu kalibrieren. Ein schneller Profil- und Kalibrierungscheck ist ebenfalls möglich.

Durch den hellgrau gehaltenen Sensor lässt sich die neue Express-Variante leicht von der Pro- und Elite-Version unterscheiden. Die Form und Größe der Spyder-Kolorimeter hat sich nicht wesentlich verändert.

Mit dem Spyder5Express lässt sich spielend leicht der eigene Monitor kalibrieren. Besondere Kenntnisse sind nicht notwendig. Nach Installieren der Software richtet man sich lediglich nach den Anweisungen des Assistenten, der einen durch den gesamten Kalibrierungsvorgang leitet und nach Fertigstellung einen Vergleich der Bildschirmfarben vor und nach der Kalibrierung anzeigt. Mit jedem Start des Computers wird nun das neu erstellte Farbprofil automatisch geladen und die korrekte Farbwiedergabe ist gewährleistet.

Für den ambitionierten Heimanwender, der Wert auf eine korrekte Wiedergabe der Farben am Bildschirm legt ohne sich nächtelang in die Welt des Farbmanagement einlesen zu wollen, ist das Tool Spyder5Express ideal. Nur ca. 5 Minuten werden für die nahezu vollautomatische Erstkalibrierung benötigt. Der Gamma-Wert wird dabei auf 2.2 gesetzt, die Farbtemperatur auf 6500K, und ICC2-Profil-Support wird gewährleistet.

Wem diese festgelegten Werte jedoch nicht ausreichen und wer mehr Einfluss auf den Kalibrierungsprozess nehmen möchte inklusive der Möglichkeit auch das Umgebungslicht in den Vorgang miteinzubeziehen, kann mit der SpyderPro- und der Elite-Variante zielgerichtet individuelle Einstellungen vornehmen. Die Technischen Daten aller Produkte der Spyder-Familie sind in unserem Online-Shop in der Warengruppe Bildschirmkalibrierung enthalten; dort sind die Tools auch bestellbar und sofort lieferbar.

Datacolor Spyder5Pro

Datacolor Spyder5Pro

Wie bei jeder neuen Generation üblich wurde auch mit dem Spyder5Pro die zugehörige Hardware und die Software verbessert. Druch erhöhte Kalibrierungsqualität werden Farben genauer dargestellt.

Im Gegensatz zur Express-Variante kann man mit dem Spyder5Pro auch das Umgebungslicht mit in seinen Farbmanagement-Prozess einbeziehen und verschiedene Profile für verschiedene Lichtsituationen erstellen. Der Sensor ist dabei in der Lage das aktuelle Umgebungslicht zu messen und im laufenden Arbeitsbetrieb die Bildschirmhelligkeit entsprechend automatisch anzupassen. Hierfür dient eine Tischhalterung, auf die der Spyder-Sensor direkt am Arbeitsplatz aufgesteckt wird. Auch lassen sich mehrere am Computer angeschlossene Bildschirme kalibrieren. Des Weiteren lässt sich mit der "ReCAL"-Funktion ein bereits kalibrierter Bildschirm auf schnelle Weise neu kalibrieren, um mit der Zeit auftretende Farbabweichungen auszugleichen. ICC4-Profile werden ebenfalls unterstützt.

Spyder5Pro ist das Standard-Tool zur Bildschirmkalibrierung mit allen notwendigen Einstellmöglichkeiten für Einsteiger bis zu semiprofessionellen Anwendern. Das günstigere Tool Spyder5Express ist eine Art Einsteiger-Variante ohne viel Einstellmöglichkeiten, während das Tool Spyder5Elite die Profi-Version von Datacolor ist.

Fotografen und Designer kommen mit dem Spyder5Pro also voll auf ihre Kosten. Eine ausführliche Beschreibung sowie einen Test können Sie auf unserer Seite Datacolor SpyderPro nachlesen.

Datacolor Spyder5Elite

Datacolor Spyder5Elite

Das neue Flaggschiff der Bildschirmkalibrierung ist der Spyder5Elite von Datacolor. Es richtet sich an professionelle Anwender, für die Farbmanagement zum Berufsalltag gehört. Während man beim Spyder5Pro aus einer Auswahl verschiedener vorgegebener Einstellmöglichkeiten wählen kann, lassen sich mit dem Spyder5Elite beliebige Einstellungen nach Wunsch für Farbtemperatur, Gamma, Weißluminanz und Schwarzluminanz angeben. Professionellen Anwendern, Bildbearbeitern, Videografen und Cuttern bietet die Elite-Variante alle Möglichkeiten, um ihre speziellen Bedürfnisse umsetzen zu können. Darüber hinaus lassen sich mit diesem Kolorimeter auch Projektoren (Beamer) kalibrieren.

Wie bei der dritten Generation steht auch hier der Studio-Match-Assistent wieder zur Verfügung, mit dem man mehrere Geräte innerhalb eines Studios aufeinander abstimmen kann. Die Benutzeroberfläche bietet über die Expertenkonsole zudem zahlreiche individuelle Einstellungmöglichkeiten für verschiedene Paramter.

Der Spyder5Elite ist und bleibt DAS Expertentool von Datacolor für den professionellen Einsatz zur Bildschirmprofilierung. Ergänzen lässt sich dies noch mit der Komplettierung des ganzen Farbmanagemenprozesses in Verbindung mit einer Profilierung der übrigen Ein- und Ausgabegeräte wie z.B. einer professionellen Druckerprofilierung als Datacolor Spyder5Studio.

Für professionelle Anwender, denen selbst der Funktionsumfang des Spyder5Elite nicht genügt und die sehr hohe Ansprüche an Kalibriergenauigkeit legen, gibt es noch ein Profi-Tool aus dem Hause Quato, das noch eine Stufe besser ist, das Quato SilverHaze 3.

Quato iColor Display 3 + SilverHaze 3

Quato SilverHaze3

Unverzichtbar für jeden semiprofessionellen und voll professionellen Anwender, dem zum Beispiel der Datacolor Spyder4Elite in Sachen Messgenauigkeit und Software-Funktionalität nicht ausreicht, ist der mehrfache Testsieger Quato SilverHaze 3. Mit dem Mehrkanal-Colorimeter in Verbindung mit der iColor Display 3 Software lassen sich (LCD-)Monitore, Laptops und Beamer mit sehr hoher Messgeschwindigkeit kalibrieren und profilieren. Auf Basis des CIE-Normbetrachters werden exakte und jederzeit reproduzierbare Messungen von Farben auf Monitoren mit unterschiedlichem spektralen Verhalten durchgeführt. Der drehbare Umgebungslichtdiffusor dient dabei sowohl als Halter für die Abstandsmessungen als auch als Schutz des optischen Linsensystems.

Spektrale Korrekturen für CCFL-, Wide Gamut CCFL- (PVA/IPS Wide Gamut TFTs), RGB-LED- und White-LED- (Apple Cinema Display, iMac etc.) Monitore sind dabei bereits inbegriffen. Darüber hinaus ist ein hochpräzies optisches System zur Erfassung eines großen Messbereichs verbaut (24 mm ø, aufgesetzt), welches Abstandsmessungen z.B. für Beamerprofilierungen inklusive Umgebungslichtmessungen (0,5 Lux bis 5.000 Lux) möglich macht. Der Luminanzbereich reicht von 0.1 bis 1000 cd/m2. Matrix- und LUT-Profil stehen ohne Neukalibration zur Verfügung, sRGB, L* und Gamma Tonwertkurven werden unterstützt und manuelle Einstellungen von Farbtemperatur, Kontrast und Luminanz sind ebenfalls möglich. Neben einer Testfunktion der kalibrierten Geräte und einem Gamut-Pilot steht auch ein Weißpunkteditor für die Anpassung an andere Monitore oder Papierarten zur Verfügung.

In Verbindung mit der neuen iColor Display 3 Software, welche zusätzlich Xrite EyeOne Pro, Display2, Datacolor Spyder 3, Color Munki und Xrite DTP94/Quato Silver Haze Pro unterstützt, liefert der Silverhaze 3 eine genaue und jederzeit reproduzierbare Farbwiedergabe im Farbmanagement-Workflow.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass es sich hier um ein besonders leistungsfähiges Tool zur Bildschirmkalibrierung handelt, welches keinerlei Wünsche offen lässt. Von unserer Seite gibt es deswegen eine ganz klare Kaufempfehlung für das Quato-Tool, wenn es um eine hoch präzise Kalibrierung ankommt. Nähere Informationen zum Kalibrierungsvorgang mit dem SilverHaze 3 und zu den zahlreichen Software-Funktionen von iColorDisplay finden Sie in unserem zugehörigen Testbericht über dieses Toolset.

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